Made in China

Es ist nicht zu fassen, aber heute muss ich mal ein gutes Wort einlegen für „Made in China“. Ich meine, demnächst bekommen wir eh nix mehr aus den USA geliefert, da ja dieser durchgeknallte Familienunternehmer mit Strafzöllen wedelt und die Europäer dann zurück strafverzollen müssen und so weiter, elendes Hickhack, man kennt das. Wer weiß ob wir uns in Zukunft überhaupt noch was Amerikanisches leisten können (hoffentlich wird als erstes dieses fade Fakeessen aus den Plastikkneipen unbezahlbar *höhö* und danach diese moralinsauren Amifilme, örks), da muss man sich ja jetzt schon mal nach neuen Geschäftspartnern umgucken, ich hab also testweise schon mal angefangen und was in China bestellt.
Also, eigentlich hab ichs in Hamburg bestellt, was das jetzt mit China genau zu tun hat hat sich mir nicht erschlossen, aber egal. Innendrin stand jedenfalls Made in China und ehrlicherweise war ich mir der Verwerflichkeit meines Tuns wohl bewusst, schliesslich versuche ich sonst möglichst regionale Produkte wegen Nachhaltigkeit, Bio, etc zu kaufen, aber das hier war halt familienfriedenstechnisch nicht anders zu handeln, außerdem hatte ich keine Lust, das Teil selber zu nähen.
Also bestellte ich für Junior einen Schulumhang der Hogwarts- Schule für Zauberei und Hexerei, und zwar um genau zu sein, einen von Ravenclaw.
Als Faschingskostüm getarnt, aber eigentlich braucht er es für seine zweite Identität als Nachwuchszauberer, die er erfolglos vor uns zu verheimlichen sucht. Ein Zauberkessel und der zu Weihnachten geschonken gekrochene Zauberstab (Original Ronald Weasleys Zauberstab, Danke Elbenwald!) sollten das Outfit vervollständigen.
Blöderweise kam ein Zauberumhang aus dem Haus Slytherin bei uns an. SLYTHERIN!
Eingeweihte wissen um den schockierenden Hintergrund dieses Frevels.
Junior schwankte zwischen Ärgern/Zurückschicken und Hinnehmen/Auftragen und da er leider mein rebellisches Temperament nicht geerbt hat, dafür meine Ungeduld, entschied er sich das fehlgeleitete Ding zu behalten. (Er redete sich ein, dass ja unmöglich JEDER aus dem Hause Slytherin böse sein könne, also verkörpere er nun halt den gutartigen Teil der Slytherin-Schüler. Ha! kann ich da nur sagen. Ha! Du Irrgläubiger!)
Diese Entscheidung konnte ich als liebendes Mutterherz natürlich unmöglich so hinnehmen- sein gesamtes Taschengeld hatte er in diesen Herzenswunsch Zauberumhang gesteckt. Und dann SLYTHERIN! Also nee.
Da die Vermutung, es könne an Sprachschwierigkeiten zwischen mir und dem chinesischen Versender gelegen haben (vielleicht kann er sein eigenes Shopsystem nicht lesen? Und mein Kantonesisch ist, nun ja, etwas eingerostet.) nicht von der Hand zu weisen war, beschloss ich, das Ganze nochmal von vorn anzufangen. Mit einem anderen Versender.
Also nahm ich MEIN Taschengeld und einen auf den ersten Blick unverdächtigen Karnevalsshop Tralala aus diesmal, glaube ich, Dutenhofen. Düsseldorf. Oder doch Diemelshausen? Egal und bestellte erneut. Einen Hogwarts-Schulumhang in Kinder M, Ausführung Ravenclaw bitte, Danke.
Was dann (natürlich aus chinesischer Produktion in irgendeiner ZhinghangpauEiwegStadt und der Karnevalsshop war erstaunlicherweis auch plötzlich fest in chinesischer Hand), außer dem bestellten Umhang in der richtigen Ausführung und richtigen Größe kam (ohne genau in der Beschreibung gestanden zu haben) führte dazu, dass ich um ein Haar mein Kind zur Adoption freigegeben hätte, nur damit ich das Zeug selbst behalten kann. Um ein Haar! Zum Glück passt mir der Umhang nicht.

Außer einer passenden Ravenclaw- Schulkrawatte war da noch ein Brief mit echt (aussehend)em Siegel an:
Mr Harry Potter
The Cupboard under the Stairs
4, Privet Drive
Little Whinging
Surrey

Darin befand sich die Bestätigung der Aufnahme an der Hogwarts Schule für Hexerei und Zauberei zum nächsten Schuljahr, die Liste der mitzubringenden Dinge UND das Bahnticket für den Hogwartsexpress auf Gleis 9dreiviertel…

Aaaaaahhhh, wie geil ist das denn? Ein Traum ist wahr geworden! Ich! Ich! darf nach Hogwarts und Zaubern lernen, endlich,  juhuuuuu!!!

*hust* An dieser Stelle meines innerlichen Totalausrasters nahm mich Junior begeistert und mit feuchten Augen in den Arm und bedankte sich für diese tolle Überraschung, JETZT wäre er endlich richtig und komplett ausgestattet für die Zauberschule und ich wäre überhaupt die beste Mama der Welt.
Und *wusch*, den im Kinderzimmer verschwindenden Kostbarkeiten hinterhertrauernd verdünnisierte sich mein Traum von Hogwarts, Hexenkarriere und dem Orden des großen Merlin wie eine Handvoll zischender Zauberdrops.
„Beste Mama der Welt“ ist ja auch ganz nett.
Finite incantatem.
Das Kind ist jedenfalls glücklich und übt fleißig…

Ein Gedanke zu „Made in China

  1. Oh Doro *HerzchenindenAugenhab*

    Wie süß,
    jetzt muss ich mir glatt ein paar Mamatränchen wegwischen, die mir dann doch am Ende gekommen sind… *hust*
    Ich bin manchmal sowas von sentimental!

    Ja, ja, die Tücken des Internets, aber ich freue mich, dass am Ende SO ein tolles Happy End herausgekommen ist.
    Mir erschließt sich jetzt nicht ganz wieso ein Ravenclaw den Zauberstab eines Gryffindors benutzt, aber das ist wohl die zauberische Freiheit. 😉
    Hauptsache, er hat Spaß!

    Ich wäre vermutlich auch eher bei Ravenclaw gelandet, bin ich doch ein chronischer Besserwisser, aber leider auch ein Schisshase, nix mit mutig.
    Mist aber auch! *lach*

    Viel Spaß – nicht nur an Fasching – mit dem Zauberernachwuchs! 🙂

    Liebste Grüße

    Sabine

    P.S. Slytherin geht ja wirklich gar nicht, ich verstehe dich!

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