Nur mal so

Vorneweg: ja, ich weiß, es gibt wichtigere Dinge im Leben als Rechtschreibung und ich gehe auf meinem Blog ja auch sehr kreativ damit um. Aber.
Ein Freund, Vorstandskollege und sehr aktiver Mensch ist kürzlich gestorben und heute waren die Traueranzeigen der Familie und der Vereine in der Zeitung.
Jo, mag sein, dass ich da besonders empfindlich bin, aber um es mal plakativ zu sagen:
Alter, das geht sowas von überhaupt gar nicht.

unser Aktives Mitglied statt unser aktives Mitglied
Geräteart statt Gerätewart
u statt und
Beistzer statt Beisitzer
Kammeraden statt Kameraden.

Ich weiß nun nicht, ob die Kollegen des betreffenden Vereins die Anzeige so abgeliefert haben, oder ob der Setzer in der Druckerei besoffen war. Ich finde es auch völlig in Ordnung, dass nicht jeder die korrekte Rechtschreibung beherrscht, gar keine Frage, darum gehts mir nicht. Ich bin ja selber bekanntlich nur so halb gut in Zeichensetzung, die dass/das-Regel wird mein Tod sein irgendwann und Rechnen kann ich ja überhaupt nicht.
Aber von einer Zeitung und einer Druckerei, deren Haupthandwerkszeug die deutsche Sprache ist, erwarte ich korrektes Deutsch. Schon grad in einer Traueranzeige! Und wenn die eine Anzeige mit Fehlern geliefert bekommen, dann erwarte ich, dass die diese Fehler korrigieren. Ich dachte ernsthaft, dafür kriegen die Geld. (Und wenn sie eine Anzeige ohne Fehler geliefert bekommen, dann erwarte ich dass sie keine reinmachen, by the way.)
Unsere eigene Anzeige habe ich dreimal korrigieren lassen (es war ein Rechtschreibfehler drin, der in meinem Original nicht war (!) und dann passte die Größe nicht).
Dabei komme ich mir ja eigentlich immer ein bißchen blöd vor, wenn ich die Korrekturabzüge genauestens prüfe, denn eigentlich bin ich davon ausgegangen dass eine Grundvoraussetzung für das Arbeiten bei einer Zeitung/Druckerei der korrekte Umgang mit der deutschen Sprache ist. Die müssen doch ihr Handwerkszeug beherrschen, oder was.
Da kann ich im Moment echt nur den Kopf drüber schütteln.
Wenn das meine Anzeige wäre, würde ich mich glatt weigern die zu bezahlen.

Und nur falls einer auf Ideen kommt: Wer in meine Todesanzige solche dmlichen Rechtschreibfeler reinmacht, den werde ich nächtens heimsuchen bis an sein Lebensede. Mit raselnden Ketten und fiel Huibuh. Doppelschwör.

Wenn ich groß bin, werd ich Spießer.

Kennt man noch die Bausparwerbung mit Papa und Tochter?
Da brauchen wir hier garnicht drauf warten, das ist schon längst soweit.

Sohn bekommt eine Auswahl Second-Hand-Jeans, sOliver und so. Den kritischen Blicken hält längst nicht jede stand, aber den Vogel schiesst er mit der hier ab:
Lumpen Fotor
„Die will ich nicht. Die ist kaputt.“ Meinen Einwand, das sei so gewollt und schon so gekauft, quittiert er mit großen Augen: „Was? Das ist keine Hose, das sind Lum-pen. Lum-PEN, Mama, das zieh ich nicht an!!“ (Genauso betont: Lum-PEN!)

Mein Gott, was ist mit dem Kind passiert? Ich hätte damals ohne zu zögern meine beste Freundin für so eine Hose verkauft (Sorry, Simone!) und er will sie in den Lumpensack stecken?
Stattdessen präferiert er diese Hose (die ich als lange, aber unerklärlicherweise sehr enge Hose neugekauft hatte- ich meine, wieso müssen die neunjährigen Jungs schon knallenge Jeans tragen, wer kommt auf so eine perverse Idee? Was soll das? Aber nix zu machen dieses Jahr: alle Jeans knalleng. Hmpf.) die ich abgeschnitten und umgenäht habe:
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Unfassbar, oder?
Damit die Hose wenigstens ein bisschen freaky ist, habe ich sie innendrin nicht versäubert. (und alle so: cooooool!) Miihihi- ich fühle mich total konspirativ…
Da kommen dann wenigstens vielleicht ein paar Fransen raus. Das hat er bis jetzt noch nicht entdeckt, sonst fliegt die auch gleich raus aus dem Kleiderschrank…
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Also,

so schlimm kann das mit der Weihnachtsvöllerei bei mir garnicht gewesen sein.
Nach dem Spaziergang gestern habe ich mir meine bequeme Leggings die Schlafanzugshose meines Sohnes angezogen und den Rest des Abends auf der Couch verbracht.

Mama, weinst du? Nee, ich heule vor Lachen.

Mein Muttertag

begann mit dem Zusammenlegen einer Wanne Wäsche und anschliessendem Frühstückstischdecken, während Mann und Sohn auf der Couch rumlungerten und in ihre technischen Devices starrten. Waaahhh!
Nun, man muss fairerweise dazu sagen, dass an den restlichen Sonntagen im Jahr mein Mann den Frühstückstisch deckt, weil seine Frau so früh morgens üblicherweise unmöglich die nötige Hand-Auge-Koordination aufbringt, um die Marmelade unfallfrei zu Tisch zu bringen. Das geht erst nach der ersten Tasse Kaffee (den natürlich auch mein Mann kocht). Wieso ich das Tischdecken ausgerechnet am Muttertag geschafft habe- keine Ahnung.
Was will ich damit sagen?
Ach, geht mir doch fort mit eurem Muttertagskram. Bei uns ist das ganze Jahr Muttertag! Und Vatertag und Kindertag sowieso. Wir tun uns ständig gegenseitig und selbst etwas Gutes, behandeln uns respektvoll, kuscheln andauernd und haben uns lieb, was soll man denn da noch am Muttertag draufsetzen?
Das arme Kind hat schon Tage vorher voll den Stress, weils nicht weiß, was es zum Muttertag schenken soll, eigentlich ständig besseres zu tun hat (spielen!) und diese verdammte Schule nicht im Kunstunterricht für ein Muttertagsgeschenk sorgt (ich hatte mich schon auf einen liebevoll gestalteten Tontopf mit eingepflanzter Feuerbohne gefreut. Pustekuchen. Den wollten sie für ihre Klassendeko. Dabei habe ich einen extra schönen rausgesucht, hmpf.)
Aber da sich ausgerechnet am Tag vorher meine vorletzte Lieblingsgarnele plötzlich in Fischfutter verwandelte (ohne besonderen Grund, möchte ich betonen. Die Biester sind vielleicht empfindlich! Von fünf putzigen rotweiß gestreiften Garnelen die ich zum Geburtstag bekam, haben sich schon Anfang des Jahres drei entleibt (oder entmaterialisiert, gefunden haben wir jedenfalls kein Krümelchen mehr von ihnen), die beiden anderen waren eigentlich ganz fidel, bis Samstag halt. Sollndas? Die waren teuer!
Da war ich echt traurig, denn a) war die wirklich hübsch und b) ist die letzte Garnele jetzt sozusagen der „Last Man Standing“ (bis auf die fünf vier Amanos), das kann ja nun auch keinen Spaß machen so ganz ohne Kumpels und c) sollen die Tiere sich gefälligst bei uns wohlfühlen und nicht ständig wegsterben. Undankbares Volk.) hatte das Kind dann zum Glück noch eine Geschenkidee und malte eilig eine Karte mit einer Garnele drauf. Ich darf mir also von seinem Taschengeld eine kaufen, welche sind noch gleich die teuersten? *muuhaha*
Gut, möglicherweise hat sich das arme Tier nur entleibt um dem Kind einen Fingerzeig zu geben. Dann hätte sie es gut gemeint, aber mächtig übertrieben. Wie dem auch sei, man merkt was ich sagen will?
Muttertag ist voll fürn Arsch, vor allem für Garnelen.
Jetzt darf hier niemand erwähnen, dass am Donnerstag Vatertag ist, sonst kriegt das Kind wieder die Krise. Wie um Himmels willen soll der aber auch verstehen, das man am Muttertag gefälligst dem Mütterlein was zu schenken hat weil man sonst stante pede in die Hölle kommt (in der man ständig und immerzu Muttertagsgeschenke basteln muss ohne Schere und ohne Tesafilm und vor allem ohne eine gute Idee! Oh, was für Schmerzen das sind *aarrghh*), man aber zum Vatertag wiederum nix schenkt weil eben. Nix weil. Weils halt so ist.
Kapiert kein Mensch.
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Das Nerv des Monats

Heute mit Lidl, Edeka und einem kleinen Scheißerchen.
Eigentlich dachte ich ja, Edeka hätte das Nerv des Monats sicher, da kommt kurz vor meiner persönlichen Verleihung noch Lidl daher und semmelt mir eine Werbekampagne um die Augen und Ohren, dass mir kurzfristig die Worte fehlten. Sehr kurzfristig.
Ganz ehrlich, ich hätts ums Haar überhaupt nicht mitgekriegt (und mir wäre das Nerv des Monats entgangen- furchtbar!), was einzig und allein daran liegt, dass wir hier kaum Glotze schauen (und wenn, dann nur Tom&Jerry und Paulchen Panther über Amazon Prime (nicht meine Idee!) und da ist keine Werbung mit bei) und beim Radiohören drehe ich die Werbung automatisch immer leise oder klappe die Öhrchen zu. Von der Werbung blieb also nicht mehr als ein leiser Widerhall von schwülstigem Gebrabbel in meinem Ohr, bzw dem Teil zwischen meinen Ohren.
Bis ich diese Bewerbung um einen Arbeitsplatz als mobiler Tiefkühlteigling bei Lidl (oder so ähnlich) bei Facebook zugeworfen bekam, da hab ich mir das dann doch mal angeschaut auf Lidls Homepage.
„Woran erkennt man eigentlich gutes Fleisch/Schokolade/Kaffee/Obst und Gemüse/Brot/Wein?“, sind die rhetorischen, visuell ansprechend aufbereiteten Fragen, die mitgelieferten Antworten jeweils versehen mit Schlagworten wie Sorgfalt! Auswahl! hochwertigste Zutaten! Herkunft! Geschmack! Qualität! und natürlich Preis! Preis! Preis! untendrunter noch einige Informationen über das jeweilige Produkt, die wirken, als hätte da jemand eine Menge Spaß mit seinem Grafik- und Statistikprogramm gehabt (und die zum Beispiel bei Brot seeehr spärlich werden- wie, gar kein Salbadere von besten regionalen Zutaten? Ach so, die Teiglinge kommen aus China? Kommt schon, das ist doch eine Region- schliesslich derselbe Planet!)
Gegenfrage: Woran erkennt man eigentlich eine gute Werbeagentur? Daran, dass sie es schafft aus Scheiße Gold zu machen.
Meine Fresse, da muss man sich doch glatt verbeugen vor den Leuten, die es geschafft haben, Lidl so ein tolles neues Gesicht zu geben. So bemüht um unser Wohlbefinden. Qualitätsprodukte mit ausgesuchter Herkunft. Perfekt aufeinander abgestimmte, hochwertigste Zutaten. Umfassende Qualitätsprüfungen. Gewissenhafte Produktion. Hübsche Bilder. Säuselnde Stimmen. Und alles so edel und alles so landhausmäßig durchgestylt, so rotbackige Äpfel, so knuspriges Brot und soooo leckere Schokolade.
Und dann gehst du in den Laden rein. Und dann….
*muuuuharharharhar* rollst du dich auf dem Boden vor Lachen, weil: das ist immer noch die alte häßliche Tante Lidl, Discounter durch und durch. An jeder Ecke schreit es BILLIG, BILLIG, hier is alles BILLIG, die Preise, die Waren, die Qualität, die Regale, alles BILLIG. Die Mitarbeiteruniformen, die Werbeschilder, alles ist billig, die Waren lieblos in die Metallkörbe geschmissen und das soll meine neue Offenbarung sein?
Nö.
Isses nicht.
Ihr könnt also mit der bekloppten Werbung aufhören, danke.

Und damit hätten die um ein Haar Edeka vom Thron verdrängt, auf die hab ich auch grad einen dicken Hals, stellvertretend für Junior diesesmal.
Wollen die doch glatt für eine einzige Shaun-das-Schaf Sammelfigur vierzig Euro haben. VIERZIG! Schon klar, nicht kaufen, aber einkaufen muss man für vierzig Euro („ohn Alko´ol, Sigarette und Seitschriefte“, wie mir die Dame mit dem fransösische Akso an der Kasse versicherte, damit man vier blöde Sammelpunkte kriegt um diese dann gegen NATÜRLICH die einzige Sammelfigur eintauschen zu dürfen, die man schon hat, weil die saublöden Dinger auch noch blickdicht verpackt sind. Ja, gehts noch? Wenn ich schon so ein horrendes Geld ausgeben muss um so eine dusselige Figur zu bekommen, dann will ich mir die auch aussuchen dürfen! Das ist genauso ein pseudo-elitäres Getue wie bei Lidl. Nein, kein Mensch wird glauben, dass die Shaun-Figuren etwas ganz besonderes sind, nur weil sie so teuer sind. Es sind nur blöde kleine Plastikdinger! Stellt euch nicht so an und lasst die endlich rüberwachsen. Ich Mein Sohn will Bitzer, Shirley, den Bauern und Timmy und all die andern haben! Grrrrr.
(Falls also jemand bei Edeka einkauft und diese Punkte überhat. Schickt sie mir, ich flehe euch an!) *hust* Wo war ich?
Ach ja.

Das kleine Scheißerchen. DAS übertrifft im Nervfaktor alles und hat allerbeste Aussichten, das Nerv des Jahres zu werden. Für das letzte Jahr zumindest.
Hatte ich schon mal angemerkt, dass ich es hasse, wenn irgendwelche Geräte meinen, mir ungefragt was abnehmen zu müssen?
Das kleine Scheißerchen ist nämlich der Regensensor beim Scheibenwischer meines Autos. Was für ein kapitaler Schwachsinn. Er hat einen ersten großen Fehler: Er läßt sich nicht umgehen. Es gibt drei Stufen: Regensensor, Prasselnder Dauerregen oder BleibambestenstehenundwartebisderScheissOrkanvorbeiist.
Der zweite große Fehler: Er hält sich für schlau. In der nassen Jahreszeit (die hier im Taunus bekanntlich von April bis März geht) benetzt häufiger mal ein feiner Sprühregen, gerne auch von der Fahrbahn hochgewirbelter Ex-Regen, die Frontscheibe. ICH würde eine Einstellung von, sagen wir: alle paar Sekunden einmal wischen, wählen. Wenn ich dürfte. Der Regensensor sagt: ACHDUSCHEISSE, WASSERALARM! ALLE MOTOREN VOLLE KRAFT VORAUS! wischwischwischwischunterbrichmichnichtichhabzutunwischwischwischusw.
Oh. Mann. Ich bins so leid. Ich spare mir weitere Beschreibungen, aber es ist so: Bei fast allen 231 verschiedenen Regentypen (vielleicht mit Ausnahme von Nr 87 und 88) muss ich die Wischer manuell per kurz antippen bedienen, weil der Regensensor jeden einzelnen Regentropfen als seinen persönlichen Feind ansieht und loswischt wie bekloppt. Muss jetzt nicht extra erwähnen, dass er sich von heftigem Regen wiederum schnell einschüchtern lässt und dann nur noch ab und zu über die Scheibe zuckt? Ach, was weiß ich, vielleicht hat auch der Geist von Rob McKenna Besitz von ihm ergriffen.
Aber es kostet Nerven. Und Wischerblätter.

Rob McKenna hatte zweihunderteinunddreißig verschiedene Regentypen in sein kleines Buch eingetragen, und keine mochte er. Er schaltete noch einen Gang runter, und der LKW brauste auf. Er brummte behaglich über all die dänischen Heizungsthermostate, die er geladen hatte. Seit er tags zuvor am Nachmittag in Dänemark losgefahren war, war er den Typen 33 (leichter, prickelnder Nieselregen, der die Straßen glitschig macht), 39 (heftig tröpfelnd), 47 bis 51 (senkrechter leichter Sprühregen bis hin zu sehr schräggeneigtem leichtem bis mäßig auffrischendem Nieselregen), 87 und 88 (zwei sich leicht unterscheidende Varianten von senkrechtem wolkenbruchartigem Platzregen), 100 (Regenbö nach Platzregen, kalt), allen Seesturmtypen zwischen 192 und 213 auf einmal, 123,124,126,127 (sanfte und mittelstarke kalte Regenbö, regelmäßiges und synkopisches Kabinen-Trommeln), 11 (lebhaftes Tröpfeln) und nun dem Typ begegnet, den er am wenigsten von allen mochte, 17. Regen Type 17 war ein gemeines Klatschen, das so heftig gegen die Windschutzscheibe schlug, dass es ziemlich egal war, ob man seine Scheibenwischer angeschaltet oder abgeschaltet hatte.
Douglas Adams („Macht’s gut, und danke für den Fisch“, 3. Kapitel)

T wie Toleranz

Ich stelle fest, ich bin ein bißchen hintendran. Vorweihnachtszeit, Familie, Kinder, Krankheiten. Verstehste. Und dann auch noch Geburtstag. (Ich meine, hallo? Geburtstag Anfang Dezember? Das bringt einem ja echt alles durcheinander! Schwiegermutti, da hättste dir aber wirklich mal mehr Mühe geben können. Wenigstens Februar oder so!)
Wo war ich?
Ach ja, die Toleranz. Wo wir grad beim Thema sind…
Nein, mal ganz ernst. Da war ja letzte vorletzte fast schon vorvorletzte (ich sag ja, ich bin hintendran) Woche grad die Themenwoche „Toleranz“ in der ARD. Oder so. „Anders als du denkst“. Ich finde es ja immer so schön, wenn die Medien für uns das Vordenken übernehmen um uns mal zu zeigen, wie das Leben eigentlich geht. Leider komm ich überhaupt nicht zum fernsehgucken, deshalb weiß ich auch nicht wie das Leben geht kann ich zur Ausgestaltung der Themenwoche leider keine Aussage treffen. (Ich hoffe nur schwer, dass kein Spielfilm mit der Frau Maschmeyer, nein, wie hiess sie doch gleich? Ferres! Ja, Ferres wars!- also kein Film mit Frau *ichbintotalbetroffen* Ferres in der Hauptrolle am Start war, um uns Normaldoofen jetzt aber mal eine ordentliche Portion Toleranz beizubiegen, das täte nämlich schwer in die Hose gehen. Also bei mir, meine ich jetzt. Der Frau Ferres ist in der Hinsicht ja nix vorzuwerfen. Schliesslich hat sie vor lauter Toleranz sogar noch den Maschmeyer geheiratet, den alten Drückerkönig. So eine uneigennützige Person. Die Ferres, nicht der Maschmeyer. Ich muss zugeben, soweit ginge bei mir die Toleranz jetzt nicht. So eine komplett verirrte Seele gleich zu heiraten, nur um sie auf den rechten Weg zu bringen. Das wäre ja, als würde jemand Charles Manson… ach, vergesst es.)
Toleranz also. Laut Duden: Duldsamkeit. Das heisst doch im Prinzip, da muss ich was erdulden, ertragen. Ungefähr so: „Boahh, was gehen mir die zwei knutschenden Männer auf den Sack, Verzeihung, auf die Nerven, und diese kreischenden Kinder erst und immer diese verdammten Behindertenparkplätze, meine Fresse, können die nicht woanders einkaufen? Müssen die mir immer die besten Parkplätze wegnehmen? Aber halt, ich bin ja tolerant, also ertrage ich diese Leute jetzt mal, auch wenn ich die alle eigentlich voll Scheisse finde.“
So, oder so ähnlich, kam mir die Plakataktion für die Themenwoche (in diesem Link sieht man die Plakate nochmal gut und auch die schönen Tweets dazu *muuharharhar*) vor.
Haben die Werbeagenturen denn aus vierzig Jahren quälend schlechter Waschmittel- und Ferrerowerbung nix gelernt, um Himmels willen?
ARD-Plakataktion zur Themenwoche Toleranz stößt auf Kritik. Viel Aufregung um Plakate der ARD-Themenwoche "Toleranz". (Quelle: Bayerischer Rundfunk)
Äh, blöde Frage. Ham sie nicht.

Wenn ich mir die Mühe machte, weiter nachzudenken, fielen mir noch sehr viel mehr Plakatmotive ein mit Vorurteilen, die man optisch nochmal richtig schön aufbereiten könnte. Aber die Mühe mache ich mir nicht. Vorurteile sind zum Überwinden da und das schafft man nicht, wenn man sie immer und immer wieder aufwärmt und dadurch weiter verfestigt.

Es interessiert mich nicht, ob Person XY im Rollstuhl sitzt oder nicht. (Das wird höchstens interessant, wenn man sie mal nachhause einladen will und dann feststellt, verdammte Scheiße, seit wann ist hier eigentlich eine Treppe mit dreizehn Stufen und kein Aufzug?) Person XY ist entweder eine Person, mit der ich was anfangen kann und die ich gerne mag, oder es ist jemand mit dem ich nicht so gerne Zeit verbringen möchte. Und wenn ich die Person doof finde, dann will ich nicht wegen der Toleranz Zeit mit ihr verbringen, klar. (Man stelle sich vor, der Maschmeyer würde im Rollstuhl sitzen und dann müßte ich wegen der Toleranz jetzt total nett zu ihm sein, dabei find ich eigentlich dass er ein Arschloch ist. Ein sehr großes. Was für ein Dilemma! Obwohl, dann trifft es das ja mit dem Erdulden…)
Möchte ich denn, dass Leute freundlich zu mir sind NUR weil man ihnen beigebracht hat, dass man tolerant zu übergewichtigen, pickligen und mit einem nervig-infantilen Humor versehenen Mittvierzigerinnen sein soll? Danke, dass ihr mich leben lasst und übrigens, Entschuldigung, dass ich geboren bin, oder wie?
Was ich eigentlich sagen will, ist doch das: es geht gar nicht um Toleranz. Toleranz ist Scheiße, weil Toleranz immer bedeutet, dass man den eigenen Weg als den einzig richtigen ansieht, es aber grad so schafft, alle, die einen anderen Weg toll finden, nicht gleich von der Erdkugel runterzuschubsen. Man toleriert „die“, aber hält sich trotzdem noch für was Besseres, für was NORMALERES.
Und das ist der Punkt. Wer zum Teufel, definiert normal? Die Zeiten, in denen uns die Kirchen vorschrieben, wer oder was normal zu sein hat, sind zum großen Glück vorbei.
Inzwischen haben wir selbst die Freiheit, Normalität zu definieren UND diese Definition, unser Wertesystem, an unsere Kinder weiterzugeben.
Wenn das klappt und alle brav sind, könnte es passieren, dass es in der Zukunft vollkommen egal ist, ob jemand einen Partner oder eine Partnerin hat, welche Hautfarbe oder welche Religion oder gar keine oder wieviel Geld (man stelle sich vor: gleiche Bildung für alle ohne Einkommensnachweis. WoW!) oder zwei Mütter oder 21 Chromosomen oder nur ein Arm oder Räder statt Beine oder wasweißich. Hach.
Es wundert niemanden, das Star Trek meine Lieblingsserie ist, oder? Da funktioniert das schon:
Star Trek beschreibt eine utopische Zukunft, in der die Menschheit enorme soziale und technische Fortschritte erzielt hat. Erzählt werden die Geschichten von Schiffsmannschaften und Mitreisenden auf Raumschiffen und -stationen der wissenschaftlichen und militärischen Sternenflotte. Die Menschheit hat die meisten der heutigen Probleme, wie etwa soziale Ungleichheit, Rassismus, Intoleranz, Armut und Krieg, überwunden. Auch Kapitalismus und Geldfunktion existieren nicht mehr. Die Menschheit ist zu einer globalen Einheit herangewachsen und besiedelt über die Erde hinaus weitere Planeten. Dabei verfolgt sie das Prinzip der friedlichen Koexistenz mit anderen Lebensformen. Die intelligenten Lebewesen im Star-Trek-Universum unterscheiden sich in Bezug auf ihre Ethik und Gesellschaftsform. (Quelle: Wikipedia)
Man wird ja noch träumen dürfen.

Ach, übrigens.
Einmal im Jahr werden Schuhe geputzt. Sicher ist sicher.
Wir wünschen allen einen schönen und entspannten Nikolaustag.
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Lazy rainy Sunday…

Endlich mal wieder Dauerregen. Dadurch fiel das Schulevent „Drachensteigen“ heute mittag zum Glück aus (Zum Glück deshalb, weil hier grad ein Termin den nächsten jagt- Freitag Schlachtessen (die semi-vegetarische Variante für mich: Kartoffeln, Sauerkraut, Wirsing, Rote Bete und eine Winzigkeit mageres Kassler. Der Rest vom Schlachtessen geht nicht an mich *blärch*), Samstag Kuchen backen, vier Stunden Kassendienst beim Kinderkleiderbasar (Zahlen, Zahlen, Zahlen- bin ich eigentlich bekloppt?), anschliessend Martinsumzug und Sonntag dann auch noch Drachensteigenlassen? Ey, nee, ich hab genug, ich brauch auch mal Pause!) Gut, das die Wolken mein Gejammer erhört haben.
Zur Belohnung haben wir den Tag schon mal gleich mit einer absoluten Ausnahme begonnen und uns zum Frühstück durch einen Berg „Fluffy Buttermilk Pancakes“ gefuttert *bauchreib*
Die mache ich allerhöchstens einmal im Jahr und dann spule ich immer die gleiche Kassette ab „Wie ich einmal ganz alleine in USA unterwegs war und dort in einem Hotel auf dem Weg zu den Niagara-Fällen zum Frühstück einen Berg Pancakes mit Himbeersirup in mich reinschob, hach, waren das Zeiten usw blabla“. Das Kind hat sechs Pancakes geschafft, mein Mann acht und ich sieben, macht nach Adam Riese *grübel* ähm, zusammen 21 Pancakes, die man aus diesem Rezept kriegt (ich hab übrigens keine Ahnung wo ich es herhabe, aber es ist eindeutig nicht auf meinem Mist gewachsen):
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Die Buttermilch habe ich einfach mit Joghurt und Milch ersetzt- klappt genauso gut. Wer mag, darf das Sudoku natürlich gerne lösen. Wie man an den unbekritzelten Kästchen sieht, bin ich zu dämlich dazu.
Wenn man sich genug Mühe gibt, sehn die dann so aus:
Pancakes 1 Fotor
Pancakes 2 Fotor
Pancakes 3 Fotor
Pancakes 4 Fotor
In Ermangelung von Himbeersirup habe ich einfach unsere Standard-Himbeermarmelade genommen, schmeckt auch leeeecker. Oder Honig oder Ahornsirup oder Schokocreme…
Erdnußbutter habe ich mich nicht getraut, ich befürchtete dann schlagartig eine Kleidergröße zuzulegen *platz*.
Mit diesen perfekt arrangierten Fotos ist das doch ganz klar ein Fall für Kerstins Sweat Treat Sunday oder nicht? (Ich stelle hier so lange schlechte Bilder ein, bis irgendeiner es nicht mehr erträgt und mir einen Fotokurs schenkt. Istn Trick. Ich kann warten…*harharhar*)
Aber das war ja nicht alles an diesem tollen verregneten Tag, haha!
Für den Weihnachtsmarkt sind noch vier Pixibuchhüllen, drei Windeltaschen, zwei Tatütas, zwei Nadelkissen und zwei Happy Clouds fertig geworden. (Zugeschnitten sind die schon länger. Soooo schnell bin ich nun auch nicht!)

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Was wollte ich noch? Ach ja.
„Wie das Kind einmal nur ganz knapp einer Adoption entging“
Vor ca sechs Wochen in irgendeinem Klamottenladen: Mamaaaa, kauf mir den Kapuzenpulli, der ist so toll, den möcht ich haben, Mama, Mamaaa, Mamaaaaaa, kaufst du mir bitte den Kapuzenpulli, jajaja? *hüpf* Hö? Ich denke, du magst keine Kapuzenpullis? Neiiin, Mama, den hier mag ich der ist sooo toll, den will ich unbedingt haben, bittebittebitte uswusf.
In den Wochen danach brach hier der Sommer ja noch mal aus, also blieb das gute Stück im Schrank bis es letzte Woche endlich kälter wurde, und eines schönen Schulmorgens hiess es: Heute zieh ich den tollen Pulli an. Gesagt, getan.
Örks.
Dramatische Pause.
Gebrüll.
Mamaa Mamaaa den kann ich nicht anziehen den will ich nicht der kratzt am Hals die Kapuze mag ich nicht ich zieh den sofort wieder aus ich mochte noch nie Kapuzen wieso hast du den doofen Pulli überhaupt gekauft wieso guckst du so komisch warum wirst du so rot Mama Mamaa lass meinen Hals los *röchel*
*Ommmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmm*
Ehrlich *orrr* Manchmal verstehe ich Leute, die angesichts solcher Dramen kinderlos bleiben wollen. Ganz ehrlich.
Zum Glück habe ich die Nähmaschine, sonst wären wir jetzt auch kinderlos.
Kapuzenpulli Collage
(Sieht einfacher aus als es war. Das erste Bündchen hatte ich viel zu fest angenäht, das zweite links fest und rechts schlapp und erst das dritte war dann gut. Wie in alten Zeiten *grrr*)
Jetzt zieht er den Pullover wieder gerne an, uff.
Allerdings kann das mit der Adoption doch noch was werden. Seit Wochen (seit den Sommerferien!) nämlich schläft dieses Kind abends erst NACH uns ein (also so um halb elf) nur um sich dann morgens zu beschweren, dass er für die Schule geweckt wird. *Grrmbl*
Und nein, ins Bett geht er immer um halb neun, daran liegts nicht. Ich könnte irre werden, alle naselang ertönt „Mamaa, ich hab Durst, ich brauch eine neue CD, ich hab an was Böses gedacht, mir fehlt sonst irgendein Scheißndreckchen und Hundsbümbesjen“
Waaaaahhhhh!!!
Da hilft nur:
Ein Glühwein.
Swei Glühweih.
Rei Lühwei.
Hie Hühei.
Flünei.
Snlwln.

Wochenkonfetti

Diese Alienfreunde vom Planeten „TraritraraderHerbstistda“ denken ja sicher, sie werden hier komplett verarscht. Von wegen Herbst. Haben sich direkt in den Sommer verirrt.
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(Und sind inzwischen vor lauter Frust schon vollkommen verschrumpelt und umgekippt.)
Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf und habe mal wieder meine Häkelsternendecke vorgekramt und häkele fleissig Sterne. Auf dass sie im Winter mein Körperchen wärme.

Zum Größenvergleich mal eine CD danebengelegt- lang genug ist sie jetzt auf jeden Fall, jetzt braucht sie nochmal die doppelte Breite. Und dann eine gute Idee, wie ich den Rand mache. Ähh- ich vermute es könnte nächsten Winter werden, bis sie mich wärmt. Übernächsten?
Und jetzt ein Suchbild:
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Nee, kommt keiner drauf. Das, was man da sieht, ist Körperverletzung. Vorsätzliche, wenn mich einer fragt.
Also, mal abgesehen davon, dass diese seltsame Pflanze allein schon eine optische Körperverletzung ist, ist sie auch eine echte Gefahr. Zumindest, wenn man sie auf fünfzig Metern Länge als „Zierde“ (oder vielleicht auch als Abschreckung) rund um ein Altersheim (Ha! Wie passend!) anpflanzt.
Wie könnte man auch drauf kommen, dass es Kinderhändchen gibt, die beim Spazierengehen alles anfassen und fühlen möchten, in den herabgefallenen Blättern wühlen, Stöckchen sammeln und von den Pflanzen am Wegesrand die Regentropfen runterpatschen.
Und die dann volle Lotte hier rein greifen *schrei*:
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Wenn ich den (höchstwahrscheinlich kinderlosen- wie kommt man sonst auf so eine Idee?) Vollhorst erwische, der es für eine gute Idee hielt, dieses Mistzeug in Reichweite von Kinderhänden (in Reichweite von IRGENDWAS) anzupflanzen, dann baue ich ihm einen verdammten Sitz aus dem Zeug. Mögen sich die fünf Zentimeter langen Dornen dann gerne in seinen Allerwertesten bohren statt in Kinderhände. Grrrr.

Zum Abregen dann noch einen winzigen Konfettischnipsel aus unserm Aquarium
(und alle so: Süüüüüüüß!):
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Schon wieder Nachwuchs- diesmal sind zwei durchgekommen. Wenn das in der Frequenz so weitergeht und man sich das Märchen mit dem Reis auf dem Schachbrett in Erinnerung ruft….
Aaaaaaaaaahhhhhhhh!