Made in China

Es ist nicht zu fassen, aber heute muss ich mal ein gutes Wort einlegen für „Made in China“. Ich meine, demnächst bekommen wir eh nix mehr aus den USA geliefert, da ja dieser durchgeknallte Familienunternehmer mit Strafzöllen wedelt und die Europäer dann zurück strafverzollen müssen und so weiter, elendes Hickhack, man kennt das. Wer weiß ob wir uns in Zukunft überhaupt noch was Amerikanisches leisten können (hoffentlich wird als erstes dieses fade Fakeessen aus den Plastikkneipen unbezahlbar *höhö* und danach diese moralinsauren Amifilme, örks), da muss man sich ja jetzt schon mal nach neuen Geschäftspartnern umgucken, ich hab also testweise schon mal angefangen und was in China bestellt.
Also, eigentlich hab ichs in Hamburg bestellt, was das jetzt mit China genau zu tun hat hat sich mir nicht erschlossen, aber egal. Innendrin stand jedenfalls Made in China und ehrlicherweise war ich mir der Verwerflichkeit meines Tuns wohl bewusst, schliesslich versuche ich sonst möglichst regionale Produkte wegen Nachhaltigkeit, Bio, etc zu kaufen, aber das hier war halt familienfriedenstechnisch nicht anders zu handeln, außerdem hatte ich keine Lust, das Teil selber zu nähen.
Also bestellte ich für Junior einen Schulumhang der Hogwarts- Schule für Zauberei und Hexerei, und zwar um genau zu sein, einen von Ravenclaw.
Als Faschingskostüm getarnt, aber eigentlich braucht er es für seine zweite Identität als Nachwuchszauberer, die er erfolglos vor uns zu verheimlichen sucht. Ein Zauberkessel und der zu Weihnachten geschonken gekrochene Zauberstab (Original Ronald Weasleys Zauberstab, Danke Elbenwald!) sollten das Outfit vervollständigen.
Blöderweise kam ein Zauberumhang aus dem Haus Slytherin bei uns an. SLYTHERIN!
Eingeweihte wissen um den schockierenden Hintergrund dieses Frevels.
Junior schwankte zwischen Ärgern/Zurückschicken und Hinnehmen/Auftragen und da er leider mein rebellisches Temperament nicht geerbt hat, dafür meine Ungeduld, entschied er sich das fehlgeleitete Ding zu behalten. (Er redete sich ein, dass ja unmöglich JEDER aus dem Hause Slytherin böse sein könne, also verkörpere er nun halt den gutartigen Teil der Slytherin-Schüler. Ha! kann ich da nur sagen. Ha! Du Irrgläubiger!)
Diese Entscheidung konnte ich als liebendes Mutterherz natürlich unmöglich so hinnehmen- sein gesamtes Taschengeld hatte er in diesen Herzenswunsch Zauberumhang gesteckt. Und dann SLYTHERIN! Also nee.
Da die Vermutung, es könne an Sprachschwierigkeiten zwischen mir und dem chinesischen Versender gelegen haben (vielleicht kann er sein eigenes Shopsystem nicht lesen? Und mein Kantonesisch ist, nun ja, etwas eingerostet.) nicht von der Hand zu weisen war, beschloss ich, das Ganze nochmal von vorn anzufangen. Mit einem anderen Versender.
Also nahm ich MEIN Taschengeld und einen auf den ersten Blick unverdächtigen Karnevalsshop Tralala aus diesmal, glaube ich, Dutenhofen. Düsseldorf. Oder doch Diemelshausen? Egal und bestellte erneut. Einen Hogwarts-Schulumhang in Kinder M, Ausführung Ravenclaw bitte, Danke.
Was dann (natürlich aus chinesischer Produktion in irgendeiner ZhinghangpauEiwegStadt und der Karnevalsshop war erstaunlicherweis auch plötzlich fest in chinesischer Hand), außer dem bestellten Umhang in der richtigen Ausführung und richtigen Größe kam (ohne genau in der Beschreibung gestanden zu haben) führte dazu, dass ich um ein Haar mein Kind zur Adoption freigegeben hätte, nur damit ich das Zeug selbst behalten kann. Um ein Haar! Zum Glück passt mir der Umhang nicht.

Außer einer passenden Ravenclaw- Schulkrawatte war da noch ein Brief mit echt (aussehend)em Siegel an:
Mr Harry Potter
The Cupboard under the Stairs
4, Privet Drive
Little Whinging
Surrey

Darin befand sich die Bestätigung der Aufnahme an der Hogwarts Schule für Hexerei und Zauberei zum nächsten Schuljahr, die Liste der mitzubringenden Dinge UND das Bahnticket für den Hogwartsexpress auf Gleis 9dreiviertel…

Aaaaaahhhh, wie geil ist das denn? Ein Traum ist wahr geworden! Ich! Ich! darf nach Hogwarts und Zaubern lernen, endlich,  juhuuuuu!!!

*hust* An dieser Stelle meines innerlichen Totalausrasters nahm mich Junior begeistert und mit feuchten Augen in den Arm und bedankte sich für diese tolle Überraschung, JETZT wäre er endlich richtig und komplett ausgestattet für die Zauberschule und ich wäre überhaupt die beste Mama der Welt.
Und *wusch*, den im Kinderzimmer verschwindenden Kostbarkeiten hinterhertrauernd verdünnisierte sich mein Traum von Hogwarts, Hexenkarriere und dem Orden des großen Merlin wie eine Handvoll zischender Zauberdrops.
„Beste Mama der Welt“ ist ja auch ganz nett.
Finite incantatem.
Das Kind ist jedenfalls glücklich und übt fleißig…

Klassenfahrt

Junior ist auf Klassenfahrt- zum zweitenmal. Diesmal drei Übernachtungen und etwas weiter weg (2,5 Stunden Fahrt).
Manchmal kennt man sich als Mutter ja nicht mehr so richtig aus.
Beim letzten Mal hatten wir Tage und Wochen vorher jeden Abend erschwertes Zubettbringen unter dem Motto: Die Klassenfahrt, das große böse Monster. Geduldiges Zureden, Mutmachen, Trösten und stundenlanges Am-Bett-stehen waren gefragt. Gut, ich übertreibe, aber nur ein bißchen.
Am Bus dann kurzes Winken, ein halbherziger Kuss und weg war er, vor lauter Vorfreude fast kopfüber in den Bus purzelnd.
Diesesmal seit Tagen erschwertes Zubettbringen unter dem Motto: IchfreumichsoichfreumichsoICHFREUMICHSOaufdieKlassenfahrt, das wird so toll! Ach, wie toll, dachte ich. Da sieht man ja mal, wie die Kinder sich so zur Selbstständigkeit entwickeln, super!
Heute morgen plötzlich zaghaftere Töne: Mama, mach das Radio bitte aus, das Lied macht mich traurig (Nimm dies, Bieber, du alter Kinderschreck! Ich konnte dich noch nie leiden!) und ein plötzlich um 150% gestiegener Taschentuchverbrauch zum Augentupfen (Gib mir bitte das ganze Päckchen Mama…)
Äh, was? Ich war ein bißchen irritiert, muss ich sagen. Aber seine Klassenlehrerin hat ihn gleich sehr lieb in Empfang genommen, die Freunde ebenso und bisher kam kein Anruf, er wird seine Fassung und seinen Spaß an der Klassenfahrt also wohl wieder gefunden haben.
Dann arbeite ich jetzt mal weiter an meiner Fassung. Himmel, so einen tränenfeuchten Luftkuss aus dem Bus raus muss man als Mutter auch erstmal verarbeiten.

Pokemon-Wahn

Ich hatte irgendwann mal berichtet, dass das Furchtbarste, was in einer Flimmerkiste laufen kann, verschiedene Kinderserien sind, zum Beispiel Glücksbärchis (aarggl, akute Hirnerweichungsgefahr) oder Zoes Zauberschrank (evtl noch vorhandene Hirnzellen lösen sich in rosarote, nach Erdbeeraroma riechende Blasen auf), aber der Knaller ist wirklich die Pokemonserie. Egal ob alt oder neu, das Geschrei, süßliche Gefiepe und vor allem die hanebüchene Story (was für Drogen nehmen die Schreiber?) ist durchaus dazu geeignet, unbeteiligte Zuhörer (=Eltern) freiwillig in die Zwangsjacke zu treiben. Ehrlich.
Wir halten pro Abend nur eine Folge von dem Mist aus, sonst ist der Hausfrieden ernstlich in Gefahr und die Glotze wird eingestampft. Junior ist dagegen begeistert von dem japanischen Mangamist (wenn ich unverhofft hinschaue, denke ich immer, da läuft Heidi) und kennt alle 150 Pokemonarten und ihre verschiedenen Entwicklungsstufen auswendig.
Wir schauten immer etwas gequält, wenn er uns an seinem Wissen teilhaben ließ. „Und aus Hornliu mit den Attacken Giftstachel, Fadenschuss und Käferbiss wird Kokuna, das kann auch Käferbiss und Verzweifler und wenn man ganz viele Hornliubonbons hat, kann man das zu Bibor entwickeln, das ist voll stark und das kann Aero-Ass und… dozier… dozier… dozier… gääähnschnirchl. Puh. Ist das anstrengend, mit der Jugend mitzuhalten und Interesse zu heucheln…
Und dann kam Pokemon Go.
Ein Wunderding. Das spazierfaule Kind möchte sich plötzlich bewegen, vorausgesetzt es hat mein Handy in der Hand (ein eigenes fehlt noch). Ein abendliches „Wollen wir noch mal kurz rausgehen?“ wird mit sofortigem Glotzeausschalten quittiert, so schnell kann man die Schuhe nicht anziehen, wie Junior an Mutter und Handy zerrt, es ist ein Traum.

Abgesehen davon haben wir im Wohnzimmer einen Pokestop, und so sitzen wir häufig einträchtig nebeneinander, einer spendiert ein Lockmodul und wir fangen dreissig Minuten lang zusammen Pokemon (was hier auf dem Land eine manchmal etwas mühselige Angelegenheit ist. Immer dieselben Viecher. Ich beantrage mehr Pokemon-Auswahl!). Was für eine Familienidylle. Ich bin übrigens ganz kurz vor Level 18 (nur noch drei Evoli, fünf Rattfratze oder zwei Piepi, ein Glücksei und dann entwickeln- yes!) und erwäge ernsthaft, in die Stadt umzuziehen. Das Wort Großstadt alleine löst bei mir üblicherweise schon Fluchttendenzen aus, aber die Pokemon ändern alles. Mein Mann braucht sich in der Mittagspause nur an den Brunnen vor dem Rathaus mit den drei Pokestops zu setzen, irgendwer setzt immer Lockmodule, und fängt in einer halben Stunde fünfzehn von den Viechern. Jeden Arbeitstag! Unfair.
Ich dagegen dödele immer so im Hintertaunus rum und habe keine Zeit Pokemon suchen zu gehen und die Familien haben unverständlicherweise keine Pokestops vor der Haustür und wissen nicht mal wo es Pokemon gibt. Unfassbar. Wenn ich Glück habe, stolpere ich mal unterwegs über ein langweiliges Taubsi oder Nidoran. Pro Tag! Ich sag ja: unfair.
Zudem ist die GPS-Ortung in der App sowas von dämlich. Ich mache das Spiel vor Fahrtantritt im Auto an, gucke, obs was gibt, mache wieder aus, fahre zum nächsten Termin, mache wieder an, gucke obs was gibt, da quäkt mich dieses Ding an „Du bist zu schnell unterwegs. Du sollst Pokemon Go nicht beim Autofahren spielen. Oder bist du Beifahrer?“. Ja, verdammte Axt, ich mache das Teil extra vor jeder Fahrt aus, was denn noch? Fehlt noch, dass die App selbständig die Polizei ruft und mich wegen Spielens am Steuer anzeigt.
Hach, war das toll in Hamburg beim Triathlon. So viele Pokemon unterwegs! Welche mit Leibchen und Rückennummern und welche ohne.
Sogar im Cafe an der Alster konnte ich eins erlegen mit der Klatsche:
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Unnötig zu erwähnen, dass dies das einzige Bild aus dem Urlaub von mir ist. Wenn mein Sohn mir gegenübersitzt bei der Jagd nach Pokemon und aus Versehen ein Foto macht.
Toll.

 

Happy Birthday

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Heute vor zehn Jahren fuhren wir auf Anraten der Hebamme in die Uniklinik- der Plan war eine spontane Geburt trotz Beckenendlage oder wie das hiess, (Junior weigerte sich aus dem bequemen Sitz koppheister zu gehen) ich habs schon längst vergessen (komisch, als Schwangere und Neu-Mutti sind einem solche Sachen unglaublich wichtig, aber nach ein paar Jahren verwechselt man dann doch so einiges. Ich. Ich jedenfalls. Könnte auch mit meiner unendlich verlängerten Schwangerschaftsdemenz zusammenhängen…).
Wo war ich? Ach ja- bei der netten Dame vom Ultraschall, die uns informierte, dass da wohl ein Kaiserschnitt unumgänglich sei- fünf Tage zu spät und ein halbes Kilo zu schwer für die spontane Geburt, und dann auch noch dieser Schatten im Ultraschall, dabei dachte ich immer, die wüsten, spontanen seien die besten… ach, Schwamm drüber.
Ich verstand sofort und versprach, morgen wiederzukommen und innerhalb von fünf Minuten war ich rasiert (sehr grob und blutig! Meine Schamhaare sind immer noch schockiert. Ja, ich habe Schamhaare! Himmeldonnerwetter.), in grünes Tuch gekleidet und eine sehr nervöse Assistenzärztin versuchte aus meiner Lendenwirbelsäule zwecks PDA einen Schweizer Käse zu machen. Blutige Angelegenheit. Und ein winziges bißchen schmerzhaft…
Ein fremder Mann, ebenfalls in grünes Tuch, Mundschutz und Mütze gekleidet, hielt meine Hand und sprach mir Trost zu. Ich überlegte kurz ob ich meinen Mann (wo war der eigentlich?) bitten sollte, diesem aufdringlichen Typen (unfassbar: baggert mich an, während ich kurz vor der Entbindung stehe) eins vor den Latz zu knallen, als mir aufging: der fremde Mann war gar nicht fremd, es war meiner. So ganz mit grünem Zeug im Gesicht und selbst fast kirre vor Aufregung hatte ich ihn nur nicht erkannt. Kann passieren.
Das ganze blutige Zeugs mit Bauch aufschneiden und Kind aus dem Bauch zerren beschreibe ich mal nicht genauer für die zarteren Gemüter unter uns. Für alle anderen: Kettensägenmassaker Teil 1-3 treffen es ganz gut.
So, und nun wird der Knabe, dessen erste Lebensäußerungen aus einem Häuflein Kacke auf der Hand des Chirurgen (Geburtshelfers? Hebammerich? Wie heisst der, der das Kind aus dem Bauch fummelt?) und anschliessend einem ordentlichen Pinkelpäuschen auf Papas Schoß bestanden, schon zehn Jahre alt. Zehn!
Wir haben, wie jeden Geburtstagsvorabend, die Geschenke eingewickelt und angerichtet mit ein bißchen Tüdelüüt, und wie jeden Geburtstagsvorabend hat Junior so getan, als schliefe er bereits und stattdessen den Geräuschen des Einpackens und Dekorierens gelauscht und sich vermutlich an seiner Vorfreude gewärmt bis er wirklich schlief.
(Er schafft es auch zuverlässig jedes Jahr, ERST seine Eltern zu wecken und dann mit ihnen gemeinsam den Geburtstagstisch zu bestaunen, statt loszurennen und das Papier von den Geschenken zu fetzen. Das hat gewisse Auswirkungen auf unsere Ausschlafzeit, aber gut. Wir waren gewarnt, was das betrifft.)
Sobald die Eltern gähnend ihren Widerstand aufgeben, es nach Kaffee riecht (und ich meine Kontaktlinsen eingesetzt habe) können endlich die Geschenke ausgepackt werden. Dieses Jahr eher die kleinere Variante: ein Spiel für die XBox, zwei kleinere Playmobilsachen, ein Mini-Transformer und das obligatorische Geburtstagsshirt (ein Handy wird folgen, dauert aber noch ein paar Wochen).
Am Nachmittag kommen um die fünfundzwanzig Gäste, alle werden mit Kaffee und Kuchen und später einem Grillbüffet bewirtet. Für die aufziehende Dunkelheit habe ich schon eine Großpackung Knicklichter für die Kids bereitgelegt, es gibt Stockbrot, genug Getränke für alle *hick* und das Leben wird einfach schön sein.
Eben: „Oh, Happy Day!“
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Es gibt Familien, da ist das alles ein unerreichbarer Luxus. Gestern war ich bei einer alleinerziehenden Mutter, deren jüngste Tochter am Sonntag ein Jahr alt wird. Aufgrund von Versäumnissen und Unwissenheit auf verschiedenen Seiten gelang es nicht, den Umzug von der fensterlosen Garagenwohnung in eine etwas größere Wohnung (mit Fenstern, aber noch unterhalb des Mietobergrenze) rechtzeitig nach SGB II (im Volksmund Hartz 4) finanziell abzusichern und nun hat die Mutter seit zwei Wochen kein Geld mehr und leider auch noch keine Antwort auf ihren inzwischen korrekt eingereichten Antrag, da in der Behörde alle hoffnungslos überlastet sind. (Und man auch nicht anrufen oder an der Tür klopfen kann um die Dringlichkeit deutlich zu machen. Nur Schriftverkehr bitte.)
Die Kleine hat natürlich noch überhaupt keine Vorstellung von „Geburtstag haben“ und so wird das Fehlen von Kuchen, Geschenken, Luftballons und Tüdelkram am ersten Geburtstag bei ihr ganz sicher kein Trauma auslösen- (die siebenjährige Schwester hat da schon genauere Vorstellungen wie ein Geburtstag auszusehen hat: Kuchen und Kerzen und Geschenke und Luftschlangen müssen dabei sein. Und das Geburtstagskind ist die Prinzessin!) der Mutter jedoch geht es wie uns allen: sie möchte den Tag zu etwas Besonderem machen.
Also sind wir einkaufen gefahren und ich habe die Mutter genötigt, alles einzukaufen, was sie braucht um zum einen mit Lebensmitteln über die nächsten beiden Wochen zu kommen und zum anderen am Sonntag eine schöne Feier wenigstens mit Kuchen machen zu können. Das ist eine schwierige Sache. Ich kann nicht einfach sagen: Kaufen sie was sie brauchen, ich bezahle alles- denn das ist gönnerhaft und degradiert mein Gegenüber zum Bittsteller.
Zum Glück haben wir ab und zu Menschen, die uns Geld spenden, welches wir ausgeben können ohne den Empfänger benennen zu müssen. Für Notfälle wie diesen, eine Einschulungsausstattung, ein paar Monate Mittagessen in der Kita oder ein Weihnachtsgeschenk vielleicht.
So kann ich auf einen Fonds verweisen den wir für solche Fälle haben, die Spende kommt nicht mehr direkt von mir und die Menschen können sie unbefangener und würdevoller entgegennehmen.
Das hat sie auch getan. Es wird also Geburtstagskuchen geben am Sonntag, dank der Spender.

Ein kleiner Unterschied zwischen diesem und dem Geburtstag unseres Sohnes, oder.
So voller Gedanken darüber, wie ich den Geburtstag für Junior am schönsten gestalten kann (und kaum einen Gedanken daran, was das kostet), wurde mir die Kluft umso deutlicher. Trotzdem werden beide Geburtstagskinder einen wirklich schönen Tag haben, denn das Wichtigste haben sie ja. ❤️?

Aber- Oh verdammt. Luftschlangen. Ich habe die verdammten Luftschlangen vergessen!

Wenn ich groß bin, werd ich Spießer.

Kennt man noch die Bausparwerbung mit Papa und Tochter?
Da brauchen wir hier garnicht drauf warten, das ist schon längst soweit.

Sohn bekommt eine Auswahl Second-Hand-Jeans, sOliver und so. Den kritischen Blicken hält längst nicht jede stand, aber den Vogel schiesst er mit der hier ab:
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„Die will ich nicht. Die ist kaputt.“ Meinen Einwand, das sei so gewollt und schon so gekauft, quittiert er mit großen Augen: „Was? Das ist keine Hose, das sind Lum-pen. Lum-PEN, Mama, das zieh ich nicht an!!“ (Genauso betont: Lum-PEN!)

Mein Gott, was ist mit dem Kind passiert? Ich hätte damals ohne zu zögern meine beste Freundin für so eine Hose verkauft (Sorry, Simone!) und er will sie in den Lumpensack stecken?
Stattdessen präferiert er diese Hose (die ich als lange, aber unerklärlicherweise sehr enge Hose neugekauft hatte- ich meine, wieso müssen die neunjährigen Jungs schon knallenge Jeans tragen, wer kommt auf so eine perverse Idee? Was soll das? Aber nix zu machen dieses Jahr: alle Jeans knalleng. Hmpf.) die ich abgeschnitten und umgenäht habe:
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Unfassbar, oder?
Damit die Hose wenigstens ein bisschen freaky ist, habe ich sie innendrin nicht versäubert. (und alle so: cooooool!) Miihihi- ich fühle mich total konspirativ…
Da kommen dann wenigstens vielleicht ein paar Fransen raus. Das hat er bis jetzt noch nicht entdeckt, sonst fliegt die auch gleich raus aus dem Kleiderschrank…
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Sorry, aber…

…den muss ich hier auch noch loswerden:

Junior fragt strahlend: Was fängt mit „T“ an und hört mit „itten“ auf?
? Wtf?

–Tiefkühlfritten.
???Vor Lachen fast vom Sofa gefallen.

Krieg Kinder, dann erlebste was.
(Funktioniert übrigens auch mit Polarhimmel…?)

Goodbye, my Love, goodbye…

Nein, damit meine ich nicht David Bowie, obwohl es eine Schande und vollkommen unnötig ist das ein solcher Ausnahmemusiker (der eifrig am Soundtrack meines Lebens mitgeschrieben hat) so früh die Bühne verläßt. Scheiß Krebs.

Nein, es ist wesentlich profaner… auf Wiedersehen Weihnachtszeit:
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In elf Monaten dann wieder.
Einigermaßen kahl wirkte dann aber das Wohnzimmer, ergo wurde ein wenig geschmückt, passend zu meinem Vorsatz fürs Jahr 2016.
Was für ein Vorsatz eigentlich? Ach, ja.
Neeneenee, nix mit abnehmen und so. Obwohl die Schnepfe in der Wii gestern zu mir sagte, ich sei fettleibig. FETTLEIBIG. Hallo? Ja klar, gegen so japanische Püppchen nehme ich schon ein wenig mehr Platz ein, aber fettleibig? Pff. Die Marketingabteilung von Nintendo sollte sich mal ein bißchen Höflichkeit hinter ihre dürren Ohrläppchen schreiben (falls die Ohrläppchen nicht schon weggehungert sind). Blödes Volk. Nur weil ich nicht aussehe wie ein Mangapüppchen bin ich noch lange nicht f… . Ich wollte mich nicht aufregen. Nur soviel: Ich habe schwere Knochen!!
Na gut, obwohl die Leute von Nintendo offensichtlich nicht nett sind, steige ich trotzdem (fast) täglich auf das Balance Board und mache ein paar Übungen. Unbeweglich und vollschlapp bin ich nämlich auf jeden Fall und Bewegung hat noch niemandem geschadet (nein, ich gehe NICHT raus bei diesem Wetter *Vogelzeig*). Aber mein Vorsatz für 2016 ist das trotzdem nicht.
Der lautet: alle sechs Harry Potter Bände noch mal lesen. Juhu!
Es ist nämlich so: Juniors Freundin liest sich gerade durch die ersten Bände von Harry Potter und seitdem löchert mich mein Sohn mit Fragen dazu. Wie heißen die Bände? (Krieg ich zusammen) Wie geht der Todesfluch? (Avada Kedavra) Wie heisst der Schwebezauber? (Win.. Wingardium Leviooosa, nicht Wingardium Leviosaaaa) Wieso ist Lord Voldemort eigentlich so böse (längere Geschichte) und wie gehen die Quidditchregeln (ähh) und wo kann man die Zauberbücher kaufen (Flourish & Blotts) und und und.
Zu viele Fragen konnte ich aber auch nach längerem Nachdenken nicht beantworten, das war mir entsetzlich. Ich! Die ich mir jeden Band am Erscheinungstag kaufte (und den fünften Band um Mitternacht an die Haustür liefern ließ) und fast alles aus der Welt der Zauberer, Squibs, Riesen und Hauselfen auswendig wußte!
Schande über mich. Da muss was gegen getan werden und mit der richtigen Deko steigt doch schon gleich die Stimmung:
Harry Potter Potion Collage
Meine Essig-und-Öl-Sammlung hat neue Etiketten bekommen und den Salat würze ich von nun an mit Skele-gro (läßt verschwundene Knochen über Nacht nachwachsen), Veritaserum (hehehe) und dem Trank der lebenden Toten?. Hui, das schmeckt.
Vielleicht noch ein kleines Schlückchen Wolfsbanntrank und Warzhautpuder dazu? Und zum Nachtisch einen Bezoar, dann passiert auch nix…
Eingeweihte wissen schon im Eingang wo sie hier landen: Hogwarts Eingang Collage
(Weasleys Zauberhafte Zauberscherze – Komm rein und gönn dir nen Fluch) Oder so ähnlich.
Dann werde ich mir mal „Harry Potter und der Stein der Weisen“ aus dem Regal ziehen und den Staub wegpusten…

Die Vorlagen habe ich allesamt aus dem großen weiten Web, gesondert zu erwähnen sei hier „Over the big moon„, gefunden via Mamas Kram.
Schade, dass hier keiner „Bertie Botts Bohnen in allen Geschmacksrichtungen“ isst…

Weihnachtsrums

Also, um ehrlich zu sein: es gibt gar keinen richtigen genähten Weihnachtsrums. Also, Rumse gibt es schon, nur leider habe ich keine Bilder davon. In den letzten Wochen habe ich mir zwar zwei Shirts und ein Weihnachtskleid (oder Nachthemd? Es ist noch nicht ganz raus…) genäht, aber ich hatte einfach keine Zeit das zu knipsen und keine Lust, mir deswegen Stress zu machen.
Warum auch? Es ist schliesslich Weihnachten. Weihnachten soll eine Zeit der Ruhe sein, der Besinnung. Das habe ich ganz gut geschafft in diesem Jahr.
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Den Weihnachtsbaum habe ich schon vor anderthalb Wochen aufgestellt und geschmückt, die Fenster entsprechend gestaltet, und wir genießen jeden Abend (und Morgen) den weihnachtlichen Lichterglanz.
Das ist auch ein Rums, finde ich. Es sich schön machen, ohne Anspruch auf Perfektion. Einfach ein warmes, einladendes Zuhause haben, in das alle gerne zurückkehren, in dem sich die ganze Familie wohl fühlt, auf den Urlaub freuen, das alltägliche Leben genießen und an einander Freude haben kann.

Das gibt uns auch die Möglichkeit, ohne Neid oder Mißgunst an die zu denken die es nicht so gut haben wie wir und für sie etwas zu tun. (Im Gegensatz zu denen, die sich unzufrieden, unterprivilegiert und unterrepräsentiert fühlen in diesem Staat und sich gerade daranmachen unsere Grundwerte ins Wanken zu bringen. Wenn sie nur die Weihnachtslieder verstehen würden, die sie da singen…)

Die Flüchtlinge, gegen die anderswo so bösartig gehetzt wird, sie sind inzwischen auch bei uns angekommen. Am Dorfrand, in einem ehemaligen Sporthotel (hey! Dort habe ich übrigens per-sön-lich! mal Felix Magath ein Blümchen überreichen dürfen, als er mit dem HSV just an seinem Geburtstag in der Erbismühle abstieg. Also, aus dem Bus ausstieg, nicht abstieg. Ich hatte keine Ahnung von Fußball, wer dieser Typ war wußte ich erst recht nicht, aber egal, es war ein Hauch von weiter Welt!) leben inzwischen um die 100 Flüchtlinge aus dem Irak, Syrien, Afghanistan und Pakistan, darunter einige Familien mit Kindern. Am vergangenen Montag gab es einen Begegnungskaffee im Gemeindehaus und etliche der Menschen waren der Einladung gefolgt und nach einer längeren Aufwärmphase trauten sich auch die Kinder, etwas zu malen oder zu basteln.
Das unfrisierte links bin übrigens ich.
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Ich stelle fest, dass ich nach wie vor nicht zu unkomplizierten Plaudereien mit völlig fremden Menschen geeignet bin. Wenn ich einen Auftrag habe, kann ich den ausführen (Setz dich hin und bastel was mit den Kindern. Jawohl! Wird sofort erledigt!) aber Small Talk, einfach so unterhalten, kennenlernen? Oh neinneinnein, das kann ich überhaupt nicht leiden. Das könnte ich gerne, das bin ich aber einfach nicht, ich steh lieber hinten. Aber gut, muss ja auch nicht. Das kann nicht jede so nonchalant wuppen wie Sarah, unsere Rums-Muddi, deren Post ich heute sehr eindrucksvoll fand.
Jeder, wie er kann und soviel er mag, nichwohr? So wie ich das sehe, sind wir hier mit den Flüchtlingen ohnehin auch erst am Anfang- wer weiß was sich da noch entwickelt?
(Feix Magath war mütterlicherseits übrigens auch ein Flüchtlingskind…)

Eine sehr tolle Gelegenheit zum Helfen bieten auch die „Alles für Selbermacher“ und Susanne von „Hamburger Liebe“ seit ein paar Tagen. Man kann bei den Selbermachern wunderschönen Stoff in drei Farben kaufen. Der gesamte Verkaufserlös geht an eine von drei verschiedenen Organisationen die man beim Kauf als Spendenempfänger angeben kann. Genial! Ich habe sofort zwei Meter bestellt (und gestern schon erhalten, dabei hätte es ja noch Zeit gehabt) und Juniors Weihnachtsshirt genäht:
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Wer genau hinschaut (und die miese Fotoqualität ignoriert) erkennt den Schriftzug zwischen den Vögeln: Love is all you need.

Die Lösung für alle Probleme dieser Welt:
Love is all you need.
(Ein bißchen Bildung dazu kann aber auch nicht schaden, dann sollte es bald klappen mit dem Weltfrieden.)

Ein fröhliches, glückliches Weihnachtsfest wünsche ich euch allen! Macht es euch schön, genießt das Zusammensein mit euren Lieben, esst, lacht, spielt, lest, liebt, lebt und denkt daran: die nächsten drei Tage könnt ihr keine Lebensmittel einkaufen. Panik!!!