Zu früh.

Frau zu Mann, beide aufgrund des Jetlags schon lange wach, flüsternd: Ich glaub, der Kleine wird sicher auch nicht mehr sooo lange schlafen. Mit Grabesstimme kommt die Antwort aus dem Bett des Kindes: Ich BIN schon lange wach!!!
Vier Uhr morgens in Singapur (21:00 in Deutschland).
Ich finds garnicht soo warm. Irgendwas ist mit mir passiert im letzten Jahr, ich kann Hitze plötzlich wesentlich besser ab als früher, aber es muss einem ja auch mal was Gutes passieren im Alter. Nicht immer nur Falten und Demenz.
Gut, um ehrlich zu sein, sooo warm ist es auch garnicht (fange einen ungläubigen Blick vom Angetrauten ein), nur so 27 Grad, aber die Luftfeuchtigkeit ist schon sehr… hoch.

Mit diesem Blick verabschiede ich mich aus diesem Jahr und wünsche uns allen ein

saugeiles 2014 *oink*!
Ein Rauch verweht, ein Wasser verrinnt, eine Zeit vergeht, eine neue beginnt.
(Joachim Ringelnatz)

Die Reise beginnt. Teil 1: Die Gefährten

Cooler Titel, wa?
Die Verteilung der Rollen ist noch nicht ganz klar, aber der Kleine ist auf jeden Fall ein Hobbit. Ein vorwitziger frecher Hobbit, also vermutlich Pippin. Oder Merry.
Mein Mann ist auf jeden Fall Gandalf der Graue. Nicht so weise, aber so grau (im Gesicht). Muuhahaha.
Er ist in unserer Familie der Vorsichtige, der jedes lauernde Abenteuer erstmal auf seine Gefährlichkeit abklopft, also quasi der Gegenpart zu seiner völlig naivdussligen Frau, die mit dem Gedankenmachen häufig erst anfängt, wenn sie schon in den Brunnen gepurzelt ist. Als Bedenkenträger trägt er also gerade akut einige Bedenken bezüglich der Länge der Flugreise, der Temperatur im Ankunftsland und ganz allgemein gesprochen, der Fremdheit des Zielorts und der sich daraus möglicherweise ergebenden mangelnden Familienkompatibilität mit sich herum, befindet sich aber in einer gemeinen Zwangslage, denn: alles gebucht, es gibt kein Zurück. Und alleine fliegen lassen wollte er uns auch nicht, das macht doofes Familienheimweh. Da beißt er sich lieber durch. Allerdings hat er etwas aus dieser Situation etwas gelernt: Ich darf nicht mehr bei solchen Gewinnspielen mitmachen. Nur noch, wenn Bargeld lockt.
Nachdem wir nun also Koffer gepackt, alles aufgeräumt, bis auf den Tannenbaum alles entadventet, überall Staub gewischt, alles gewaschen, Betten frisch bezogen, Staub gesaugt, Müll weggeräumt, gebadet, geduscht, rasiert und alle Reste in die Koffer gepackt haben, sind wir fertig und es könnte losgehen. Blöderweise geht der Flug erst sehr spät abends. Hmpf.
Genügend Zeit um noch die Maus zu gucken, Wii zu spielen, das Kind zum Spielzeug einpacken nötigen, verschiedene Teile aus dem Koffer wieder raus räumen um andere reinzutun und solche Sachen. Was man halt so macht vor einem Urlaub.
Dann sitzen die Gefährten (so sie sie denn finden) in einer Boeing 777-300 in einer Dreier-Reihe, ganz familiär sozusagen. Dass die Schwiegereltern gestern beim Abschiedskaffee fragten, was sie denn ganz praktisch machen sollten, wenn der unwahrscheinliche Fall einträte, das wir nicht mehr zurückkämen (Versicherungen, Beerdigungen und so, was man dann halt so alles organisieren muss als ZurückgeHinterbliebener*grrrmbl*), hat mich auch nur ein ganz kleines bißchen aus meiner Fassung geschubst. Gulp. Wo war ich? Ach ja, bei der Boing :-). Als wir das letzte Mal geflogen sind (vor zehn Jahren!) da gab es so kleine rechteckige Heftchen, in denen alles drin war, Ticket, Bordkarte undsoweiter. Heutzutage kriegt man das per Mail geschickt, muss sich das selbst ausdrucken und hoffen, dass der Drucker dann noch genug Tinte hat. An was man alles denken muß. Demnächst muß man die Kisten auch noch selber fliegen. Wie aufregend!
Einmal Herzrasen hatte ich heute übrigens schon, mit der eingeworfenen Dosis Betablocker sollte die Herzfrequenz bis morgen früh aber bitte einigermaßen im Entspannungsmodus bleiben. An der Größe des Medikamentenbeutels merkt man übrigens sehr genau das Alter der Gefährten, zumindest der zwei Drittel über 1,70.
Früher, ja, früher war alles anders. Da hatte man mal ein paar Aspirin dabei für durchzechte Nächte und das wars. Und heute? Betablocker, Blutdruckmittel, Ibuprofen für den Arm, ASS für den erkältungsbedingten Brummschädel, Nasenspray, antibakterielle Hautcreme gegen Ausschlag, Fenistil gegen Mückenstiche, Hydrocortison falls es ganz schlimm kommt, Rosacea-Hautcreme, Aknestift undsoweiter.
Beim Blick ins Medikamententäschchen frage ich mich also:
Wird das ein Geriatrieausflug?
Man darf gespannt sein.
Für den Fall, das Gefahr im Verzug ist, habe ich mein KopfindenSandsteck-Kostüm eingepackt:

Da kann ja nix passieren.

Wer hat eigentlich…

… den Nagelknipser erfunden? (Ach, hallo Chapel Carter, DU warst das? Hätt ich mir ja denken können.)
Jeder, der nun (wie ich früher) denkt, das sei ein erdgeschichtlich vollkommen irrelevantes und zudem unglaublich nutzloses Tool, dem sei gesagt: Ja, du hast recht. Aber.
Aber wenn du jemals im Flugzeug häkeln willst und keine Schere mitbringen darfst, DANN ist der Nagelknipser die ultimativ wichtigste Erfindung der Menschheit. Ich würde sagen, sogar noch vor dem Rad.
Nee, kurz nach dem Feuer, aber auf jeden Fall noch vor dem Rad.
Man kann tatsächlich mit dem Nagelknipser Wolle durchknipsen. Ich staune.
Und bedanke mich herzlich bei den zwei, nein, drei mir wohlgesonnenen Menschen, die mir diese Lösung für mein Problem um die Ohren gehauen haben. Ich freu mich. Danke.

Der letzte RUMS und Jahresabschlußvorbereitung

Ich hatte ja die geniale Idee, irgendetwas müsse ich machen während der 12 Stunden im Flieger, also so zum Ablenken, falls die Tragflächen mal wackeln oder wir ein Luftloch durchplumpsenqueren oder so. Oder einfach gegen die Langeweile, denn eins ist sicher: Schlafen kann ich da nicht.
Nähmaschine passt leider nicht ins Handgepäck und hat keinen Akku, außerdem könnte man sie ja als Waffe mißbrauchen und damit die Cockpittür einschlagen oder so was, also muss was kleineres her- natürlich die Häkelnadel. Die gibts wegen der Sicherheit ja auch in Plastik. Blöderweise kann ich ja nun trotzdem nicht häkeln, wegen der fehlenden Schere, aber gut. Häkele ich halt so vor der Glotze.
Also hier mein Großprojekt, die inzwischen tatsächlich auch sechsseitigen Hexagone:

Ich schätze, so hundertfünfzig muß ich noch häkeln *gulp*.
Hat jemand eine Ahnung wieviele man für eine normal große Decke braucht?
Der heutige Rums ist aber eher diese Mütze hier, pünktlich zum Urlaub bei 30 Grad fertig:

Man kann ja nie wissen, vielleicht ist der Regen in Singapur ja kalt, und dann braucht man eine Müsse. 🙂

Die Jahresabschlußblogarbeiten sind nötig, damit das nächste Jahr nicht gleich mit dem Weihnachtsgeschenkerückblick von diesem Jahr anfängt:
Also hier meine ersten Knochenkissen:

die sind wirklich ganz einfach und schnell gemacht und ein schönes Geschenk.
Die blauen Kissen habe ich aus einer Kittelschürze meiner Oma gemacht. Fast alle ihre Kittelschürzen hatten so ein ähnliches Muster, Streifen mit Blümchen und Ranken. Die haben einen hohen Wiedererkennungswert und das Muster ruft zumindest bei mir schnell ein wohliges „Hach, die Oma“ Gefühl hervor, deswegen geradezu ideal für Kissen!

An Heiligabend war dann Not am Mann, bzw am Kind- wie kriege ich die Zeit bis zur Bescherung rum, ohne völlig durchzudrehen?
Mama hatte da mal eben was vorbereitet, weil Sohn Nr 1 vor ein paar Tagen das Titelbild der Mollie Makes entdeckt hatte und mit dem üblichen Augenaufschlag bettelte: „Mamaaa, nähst du mir den Fuchs? Büttäääää!“

Denkste, Puppe. Filz ist ja nicht so das Problem, die Gelegenheit nutzen wir doch gleich mal und gucken, ob der Nachwuchs mit der Nähmaschine klarkommt, da ist er gleich beschäftigt.
Und wie er klar kam- super hat er das hingekriegt!!! Nich?
Und jetzt gucke ich mal, wie ich an ein spinnwebdünnes Tuch einen Rollsaum hinkriege.

Auch von mir…

Fröhliche Weihnachten!

 

Ich wünsche euch allen ein wunderbar fröhlichbuntes Weihnachtsfest, jedem so, wie er es am liebsten mag, auf dass sich alle eure Wünsche erfüllen und vielleicht noch der ein oder andere mehr.
Allen Kranken wünsche ich gute Besserung, (es geht aufwärts, Blickrichtung nach oben!) und allen Gesunden, dass sie es bleiben.

Den vielen größeren und kleineren Last-Minute-Projekten ist der gepfuschte Weihnachtsbaum geschuldet – das Bild ist nämlich mal wieder von 2012 *leichtschäm*. Da aber sowieso jedes Jahr die gleichen Sachen hängen, ists wurscht, die guten Wünsche zählen, aber zum Knipsen hatte ich nun wirklich keine Zeit mehr. 🙂
Die Nähmaschine hatte ich schon vor einer Woche weggepackt, weil ich mit allem fertig war um sie dann doch noch viermal wieder vorzuholen, weil mir noch dies und jenes einfiel. Hmpf.
Mit einer 6er Häkelnadel häkele ich ausserdem gleichzeitig eine Mütze für mich und an meinem Großprojekt, das sich wahrscheinlich übers ganze Jahr ziehen wird, ich möchte nämlich eine Sternendecke für mich häkeln. Puh, die Anleitung war echt eine Herusforderung. Es hat eine ganze Weile und mehrere Sternehexagone gedauert, bis ich kapiert habe, dass ein Hexagon SECHS Seiten hat, auch wenn der Stern innendrin nur FÜNF Zacken besitzt. Auweia.
Zwischendrin mußte ich dann ja mal schnell auf die kleine Nadel wechseln, um zu schauen ob ich auch einen Angry Bird hinkriege und gestern und heute habe ich dann dazu noch etwas für Silvester genäht.
Ein Geschenk fehlt noch, für die Arbeit muss ich noch was erledigen, in der Küche ist kein Krümel Salz mehr zu finden und meine Spezialpflaster für die Fingerrisse sind auch alle. Aber kein Problem, wir haben ja noch morgen, Freitag UND Samstag zum Einkaufen. *umfall*
Und ich will im Flugzeug häkeln, aber Pustekuchen. Häkeln geht ja noch mit der Plastiknadel, aber was, bitte, mache ich ohne Schere, wenn ich die Fäden abschneiden muß?
Oh, egal wer, aber wirf Geduld und eine gute Idee vom Himmel. Danke.
Wo war ich?
Also nochmal:
Fröhliche Weihnachten euch allen, macht es euch schön!

Angry 1 und Angry 2

Angry 1: Bei Sandra von Stickfisch vor ein paar Tagen den genialen gehäkelten Angry Bird entdeckt und dann ist die Häkelanleitung in englisch, waaaahhhhh!!!
Aber das weltweite Netz hat ja auch für Anleitungsjunkies wie mich noch eine Lösung parat und kaum hatte ich eine (prima) Anleitung gefunden, glotzte auch schon jemand mit:

 

 

Saucool. Die Anleitung war echt einfach und an zwei Abenden hatte ich das Teil fertig. Vielen Dank, Frau Speckerna!
Der rabiate Kerl ist schon in einer Geschenkverpackung auf den Stapel für nächsten Dienstag gelandet, ich hoffe er gefällt. 🙂

Angry 2: Die Holzeisenbahn. Ich sagte ja bereits, dass ich am liebsten alle Geschenke ausgepackt hätte um zu gucken, ob auch wirklich alles richtig drin ist. Tja.
Ich machs kurz: In der Packung mit der vermeintlichen Holzeisenbahn war ein Sammelsurium aus verschiedenen gebrauchten, nicht zueinander passenden Spielzeugteilen mit deutlichen Gebrauchsspuren. Auch sechs oder sieben Schienen, eine Lok und zwei Waggons. Die Lok und die Waggons passten nicht auf die Schienen, dafür gab es noch etliche Holzbauklötzchen, bereits ausgiebig bespielt und bemalt von den Vorbesitzern. Und ein Paar gebrauchte Lowa-Schuhe.
Hm.
Nee, das Kind hat sich nicht beschwert. Der ist erst zwei, da spielt man noch unvoreingenommen mit allem, was man kriegen kann und schaut nicht auf gebraucht oder bemalt. Und natürlich sind auch solche Spielsachen noch durchaus benutzbar und regen die Kreativität an. In der Küche meiner Oma stand im Schrank eine kleine alte Eisbox mit ein paar Legosteinen und diversem anderen Zeugs. Nichts passte zusammen, nochnichtmal ein Auto konnte man damit bauen, weil ein Reifen fehlte, trotzdem konnten sich die Kids damit lange beschäftigen.
Aber niemand wäre auf die Idee gekommen, die Krimskrams-Kiste hübsch zu verpacken als Weihnachtsgeschenk für einen kleinen Jungen.

Meine ganz persönliche Meinung dazu:
Es ist nichts einzuwenden gegen das Weitergeben von gebrauchten, gut erhaltenen Spielsachen oder Kleidung. Aber nicht zu Weihnachten. Nicht als Geschenk.
Das ist respektlos. Total respektlos gegenüber den Wünschen des Kindes (oder auch seiner Mutter, die die Idee vielleicht hatte). Die Wunschzettel werden ohnehin nur ausgefüllt für Familien, die nicht viel Geld zur Verfügung haben und den größten Teil ihrer Geschenke oder Kleidung im großen Auktionshaus oder auf Basaren kaufen.
Da ist es doch nicht zuviel verlangt, ein paar Euro für ein Geschenk auszugeben.

Für 10,99 bekommt man bei Ikea eine vollständige, funktionsfähige und neue Holzeisenbahn.

Ich wollte das ja jetzt gerne sachlich schreiben, aber irgendwie… fällt es mir schwer. Ich fühl mich grad nicht sachlich. Eher wie gegendieWandtret.

Ich tausch nicht.

Zumindest nicht mit dem Weihnachtsmann.
Das macht ja riesigen Spaß, wenn man es einmal macht, aber immer? Nö. Ist das eine elende Schlepperei.

Die Spendenbereitschaft mal von der anderen Seite. Für die Kinder unserer Familien machen wir bei einer Wunschzettelaktion mit und in der Woche vor Weihnachten führt dass immer kurzzeitig zu erhöhtem Adrenalinausstoß, denn die ganzen Pakete wollen ja nicht nur abgeholt, sondern auch noch verteilt werden, und das im ganzen Kreisgebiet. Nö, ich beschwer mich nicht, ich hab die wenigsten Päckchen auszuliefern, dafür durfte ich vorher alle Wunschzettel schreiben für die Kinder und die teilweise kruden und unvollständigen Angaben übersetzen in etwas, was jeder potentielle Schenker auch versteht *gacker*.
Das größte Problem ist, das ich jetzt eigentlich SOFORT alle Päckchen aufmachen möchte, natürlich nur, um zu gucken ob auch das richtige drin ist. Aber wer packt die alle wieder ein?? *hmpf*
Was ist wohl drin in „ein robota was sprechen und ein audo was fligen kann“? Und in dem in Klarsichtfolie eingepackten Baby Born-Bettchen liegen noch ZWEI in Geschenkpapier verpackte Pakete, dabei stand auf dem Wunschzettel nur „Baby Born Kleidung oder eine lila Zahnbürste“. Da fand wohl jemand den Wunschzettel genauso süß wie ich. Eine lila Zahnbürste *kreisch*!!
Ein Wunschzettel mit „ein Malbuch und dicke Buntstifte“ klebt auf einem riesigen und ziemlich schweren Paket und das schwerste Paket ist das mit dem Wunschzettel „Holzeisenbahn“. Wahrscheinlich Holzeisenbahn plus kompletter Landschaft drumrum, nach dem Gewicht zu urteilen.
Die meisten Pakete liebevoll eingepackt und verziert, mit Schokoweihnachtsmännern und anderem Schnickeldi beklebt und glitzernde Aufkleber dazu. Hach. Das macht Spaß.
Ein paar Päckchen müssen wir noch ein bißchen pimpen, weil sie ein wenig, hm,.. sparsam daherkommen, aber das sind nur ganz wenige.
Da werden ein paar Kinder groooße Augen machen und sich über Dinge freuen, die sie sonst nicht bekommen hätten. Lego, Playmobil und Baby Born statt der billigeren Nachbauten. Ja, ich weiß, damit kann man auch spielen, aber für die Kinder (und die Eltern) ist es eben was besonderes, wenn sie mal das gleiche haben können wie ihre Spielkameraden.

Morgen, Kinder, wird’s was geben,
morgen werden wir uns freun!
Welch ein Jubel, welch ein Leben
wird in unserm Hause sein!
Einmal werden wir noch wach,
heißa dann ist Weihnachtstag!

Wie wird dann die Stube glänzen
von der großen Lichterzahl,
schöner als bei frohen Tänzen
ein geputzter Kronensaal.
Wißt ihr noch vom vor’gen Jahr,
wie’s am Weihnachtsabend war?

Wißt ihr noch mein Räderpferdchen,
Malchens nette Schäferin,
Jettchens Küche mit dem Herdchen
und dem blankgeputzten Zinn?
Heinrichs bunten Harlekin
mit der gelben Violin?

Welch‘ ein schöner Tag ist morgen!
Viele Freunde hoffen wir;
uns’re lieben Eltern sorgen
lange, lange schon dafür.
O gewiß, wer sie nicht ehrt,
ist der ganzen Lust nicht wert!

(„Morgen“ bitte bei Bedarf durch die Anzahl der noch vorhandenen Tage bis Heiligabend ersetzen)

Weihnachtsoffensive

Nachdem die bisherigen Adventswochenenden ja (zumindest in Bezug auf ihre Eigenschaft als Advents-, also *PanikbaldistWeihnachtenalsohermitdemVorweihnachtsstress* wochenenden) eher beschaulich verliefen *gääähn*, durften wir an diesem Wochenende gleich eine Großpackung Weihnachtsvorfreude schnuppern, sozusagen im XXL-Format.
Am Samstagvormittag machte das halbe Dorf sich auf ins „Piloch“ (Nein, ich möchte nicht wissen, warum das Piloch so heisst…) um nach fünf Jahren des bravvorsichHinwachsenlassens die Nordmanntannenschonung für die Weihnachtsstube zu plündern.

Ich habe da so eine Vereinbarung mit den ortsansässigen Rehen: Sie machen über die Jahre immer schön einen langen Hals und knabbern von den schönsten Tannenbäumen durch den Zaun hindurch immer die rückwärtigen Ästchen ab, so dass wir uns dann den schönsten, halbseitig amputierten Baum aussuchen können. In unserer kleinen Wohnung brauchen wir ja so einen halbseitigen Kümmerling, damit er direkt vor der Balkontür stehen kann, kein Platz für mehr, ist klar, oder?
Als Gegenleistung überfahre ich sie nicht. Die Rehe, meine ich. Ist doch eindeutig eine Win-Win-Situation, oder?
Nach getaner Arbeit natürlich erstmal:

Ein Pott Glühwein, yummi.
Von der Tannenschonung (komischer Name- geschont wurden die sicher nicht) ging es dann zur „offenen Tupperparty“. Nicht sehr weihnachtlich, ich weiß, und falls irgendeiner denkt, wir hätten da etwa Weihnachtsgeschenke gekauft: abhaken.
Nur ein Döschen hier und ein Schüsselchen da.
Der Nachwuchs meinte übrigens: Wieso offene Tupperparty? Verkauft die da nur Sachen ohne Deckel?
*aufdemBodenliegundlachendindenTeppichhämmer*
Danach auf den Weihnachtsmarkt in Seligenstadt, sooo schön da!
Weltbeste Currywurst mit Pommes. Und Crepes. Und leckerer Glühwein *hicks*.
Der Sonntag ging los mit der Verwandlung des halbseitig amputierten Nordmännchens Inklusionsbaums in einen Weihnachtsbaum:

Hach. Das federnpuschlige rotkugelige Ding oben links hat Junior bei der Feuerwehr gebastelt und feierlich in den Baum gehängt.
Danach zur Schulweihnachtsfeier mit Geocaching

und anschliessend Plätzchen, Kakao und (wer räts? Richtig:) Glühwein.
Direkt danach dann zum „Adventsfenster“-

dem adventssonntäglichen Dorf-Treffen (in Jahren ohne Weihnachtsmarkt) für Groß und Klein, jedesmal in einem anderen Privatgarten/garage/vorgarten. Die Kleinen kriegen eine Geschichte, Plätzchen und Kinderpunsch, die Großen *hüstel* Glühwein. Was sonst.
Wieder zuhause angekommen, erstmal sämtliche Weihnachtsbeleuchtungen und Lichterketten angeworfen.
Wie gut, dass wir nicht in Stenkelfeld leben. Sottrup-Höcklage ist weit weg.

Langt das für Rums?

Ich weiß ja nicht. Aber die Muddi weiß Bescheid, die löscht mich gna-den-los wenns nix gerumstes ist *liebguck*.
Auf dem letzten Weihnachtsmarkt (um ein Haar wirklich der LETZTE für mich und das kam so: für den kleinen nörgelnden Nachwuchs am Kindergartenstand einen Kinderpunsch geholt, der sich in einer eiskalten Tasse befand. Trotzdem will die gute Mutter (ich) natürlich probieren, ob die Trinktemperatur genehm ist fürs Kindelein und tja, was soll ich sagen: Ich hatte Glück, dass mir die Tasse nicht in der Hand geplatzt ist, denn der in die eiskalte Tasse gefüllte Kinderpunsch hatte locker noch neunzig Grad oder so. Jedenfalls noch soviel, dass der miniwinzige Temperaturüberprüfungschluck mir sämtliche Geschmacksknospen verbrüht hat, aua! Erst am nächsten Tag war die Zunge nicht mehr beleidigt. Zum Glück hab ich nicht den Kleinen probieren lassen, uff.) Wo war ich?
Also, auf dem letzten Weihnachtsmarkt habe ich mir, quasi als Vorschuß auf die dieses Jahr ausfallenden Weihnachtsgeschenke *harhar*, ein wunderschönes Lederarmband mit Sternchen geleistet. Leider ist mir erst daheim aufgefallen, dass das Armband nur geeignet ist für Dreihänder. Mit nur zwei Händen kriegte man nämlich den Karabinerhakenverschluß nicht auf und mit normalgroßen WurstErwachsenenfingern schon gar nicht, da muss man immer einen Winzling zum Armband auf- und zumachen mit dabeihaben. Unpraktisch, so ein bißchen.
Also habe ich mir einen Magnetverschluß gekauft und den gegen den Karabinerhaken ausgetauscht und noch ein Drahtherz drangehängt- der Burner, woll? Äh, ja.

Jetzt kann ich das Teil alleine auf- und zumachen und das ist doch eigentlich ein glattes Rums?

Vor Weihnachten wird man ja immer sehr zugeballert mit Spendenaufrufen und es ist ganz schwierig, rauszusuchen wem man was zukommen lassen möchte. Ich arbeite selbst für einen Verein, der sehr auf Spenden angewiesen ist und weiß um die Problematik. Aber es ist wie bei so vielen: Das Geld sitzt nicht mehr so locker wie vor einigen Jahren und da bin ich froh, wenn ich auch eine Möglichkeit bekomme, andere Unterstützung zu leisten. Zum Beispiel bei diesem Projekt, über das ich bei Schlottchen Müller gestolpert bin. Das Schicksal dieser Familie hat mich sehr berührt und es hat mich gefreut, dass ich sie mit ein paar Kleinigkeiten für ihren Verkauf zugunsten der Familie unterstützen konnte. Ich hoffe, die Leute bezahlen viiiiiieeeeel Geld für die Sachen 🙂
In einem Kommentar zu meinem gestrigen Post hat mir die Nähoma einen Link zur Seite von Madita geschickt, vielen Dank dafür! Madita sammelt bunte selbstgenähte Jerseymützen für die Kinderkrebsstationen verschiedener Krankenhäuser.
Grundsätzlich muss ich gestehen: Ich mag mich mit dem Thema eigentlich überhaupt nicht näher befassen, denn: Ich bin ein unglaublicher Angsthase. Alleine die Vorstellung von einer Krebserkrankung in der Familie entsetzt mich fürchterlich und wenn ich von solchen Schicksalen höre, sitze ich Rotz und Wasser heulend vor dem Laptop. Nja, nicht ganz. Wenn ich das Gefühl bekomme, hier will mir irgendeine Organisation mit rührseligen Geschichten das Geld aus der Tasche ziehen um damit dann ihre Riesenverwaltung zu bezahlen… sorry. Das geht nicht so wirklich an mich, auch wenn natürlich dahinter auch teilweise schlimme Schicksale stehen.
Aber ehrlicherweise berührt mich am meisten das Schicksal der Familie von „nebenan“. Mütter, die wie ich sind, Kinder, die meines sein könnten, Eltern, die wir sein könnten. Leute, die keine Lobby haben und die nicht lebensgroß im Spendenmarathon über die Mattscheibe flimmern.
Das geht mir nahe, weil es nahe an meiner Lebenswirklichkeit ist, weil es nah ist. Egal ob in Berlin, Bottrop oder Buxtehude.
Ich bin wirklich dankbar für Leute wie Madita, die dann mit ihrer Tasche voller gesammelter Mützen auf die Kinderkrebsstation gehen und den Kindern die Mützen bringen. Und darüber so einen schönen Post schreiben.
Eines würde ich zu ihrem Text gern noch ergänzen. Sie hat geschrieben „sie haben sich sehr über die bunten Mützen gefreut und gelächelt“. Mag sein.
Aber sie haben sich möglicherweise noch mehr über den Besuch gefreut. Über jemanden, der ohne Berührungsängste an so einen Ort geht, wo nicht alles eitel Sonnenschein und Spaßgesellschaft ist, einen Ort, den viele gar nicht wahrnehmen möchten, weil er Angst macht.
Ich könnte das nicht. Ich würde wirklich mit jedem einzelnen Kind heulen, ich kann mir Schicksale nicht gut von der Seele weghalten. Vielen Dank, Madita, dass du für mich gehst.
Meine Jerseykiste hat nicht mehr sehr viel passendes hergegeben, aber zumindest vier Beanies sind dabei rausgekommen. Madita schrieb, dass auf der Kinderkrebsstation auch viele Jugendliche sind, die sich auch über die bunten Mützen freuen, dass aber viele Mützen zu klein sind. Daher habe ich für Kopfumfang 56 cm genäht, und Beanies sind ja gerade in. Wenn man nicht mein Sohn ist. *grrrmbll*

Und wer nicht nähen kann oder mag, aber trotzdem einen Weg sucht um etwas zu tun und vielleicht ein paar Euro übrig hat, der sollte sich die Homepage von Helenes Helfer- ein Netzwerk für Kinder ansehen. Nina vom Werkeltagebuch hat darüber einen sehr schönen Text geschrieben.