Guten Morgen, guten Morgen, guten Morgen Sonnenschein…

Ohrwurm erfolgreich implantiert?
Danke, Nana Mouskouri.
Arschkalt ist es, aber immerhin scheint die Sonne und das schon seit Tagen- mit dem Wetter läßt es sich doch prima aushalten. Das gibt gute Laune, da müssen die bunten Hosen wieder her und mit einem dicken Strickbündchen halt entsprechend an die Kälte angepasst werden.


(Hose „Sanna“ aus „Elephant Love“ von der Hamburger Liebe, wintertauglich gemacht mit Cuff Me Cozy auch von der Hamburger Liiiiebe, endlich mal wieder ein Rums :-))

Und das kam so:
Im Adventskalender von „Alles für Selbermacher“ war eins der neuen Cuff Me Grobstrickbündchen von der Hamburger Liebe in Beere drin, passend dazu habe ich mir dort dann noch den Stoff „Knitty Plait“, ebenfalls in Beere, bestellt. Da die Albstoffe ja immerzu betonen, dass die Kollektionen farblich aufeinander abgestimmt sind, bin ich Fuchs natürlich davon ausgegangen dass das auch stimmt. Möööp!
Pustekuchen.

Äh- Wtf? Beere mag ja schon stimmen, aber vielleicht ist das eine ja Him- und das andere Heidelbeere oder so? Passen tuts jedenfalls nicht.
Ich war ziemlich geknickt, vor allem, weil alle freundlichen Menschen die ich um Rat fragte, mir sagten, dass bei den Albstoffen natürlich beere zu beere passt. Hmpf.
Aber: kommt Zeit, kommt Rat und bei der sehr hilfsbereiten Eva von Stoffträume4You habe ich nicht nur das farblich passende Bündchen zu meinem Knitty Plait, sondern auch den farblich passenden Stoff zu meinem Heidelbeerbündchen bekommen- hurra!

(Die Grobstrickbündchen anzunähen geht übrigens mit der Overlock ganz gut- ich musste nur hinterher nochmal ordentlich dämpfen. Und es ist wirklich sehr weich und kuschelig)

(Natürlich geht das mit den nackigen Füßen nur mal kurz fürs Foto- ansonsten stecken die in gemütlich warmen Stricksocken, noch von Oma gestrickt.)

Valentinstag

Heute ist der Tag, an dem die Timeline wieder von Sinnsprüchen über die Liebe, tolle Last-Minute-DIY-Ideen und Rezepten für süße Geschenke in Herzform wimmelt.
Jo.
Ich brauch keinen Valentinstag. Liebe, Aufmerksamkeit und kleine Geschenke geben wir uns hier übers Jahr genug, und meistens nervt mich der Valentinstag in meiner Arroganz vom hohen Roß einer intakten Beziehung runter nur und ich kann ihn als reine Geschäftemacherei entlarven.
Aber heute war ich in einer Familie, da bekam die Mutter einen Anruf, sie solle sich mit ihrem Mann im Aldi treffen und sie bat mich, eine halbe Stunde alleine mit ihren Kindern (und meiner Tasche voll Spielzeug😜) zu bleiben. Als die Mutter zurückkam, erzählte sie, ihr Mann (vor dem sie schon mehrfach ins Frauenhaus flüchten wollte) habe ihr zum Valentinstag einen Einkauf bei Aldi geschenkt, sie solle den Wagen nur vollmachen, er würde alles bezahlen…

Wie jede Geschichte, hat auch diese natürlich verschiedene Wahrheiten und Hintergründe, aber trotzdem:
Da gibt es einen „Feiertag“, an dem mit großem Werbeaufwand möglichst viele Luxusgüter vertickt werden sollen, und jemand bekommt einen Lebensmitteleinkauf bei Aldi geschenkt.
Daran werde ich jetzt jeden Valentinstag denken.

 

Ich selbst habe übrigens doch etwas zum Valentinstag bekommen, nämlich ein nettes Schreiben der Stadtverwaltung und einen Gutschein. Der Gutschein ist seltsam- scheinbar darf ich der Stadtkasse 15,- Euro überweisen und bekomme dafür ein Bild von mir. Leider ist das Bild nicht sehr vorteilhaft. Grobkörnig und schwarzweiß.
Mal sehen, ob ich aus der Nummer wieder rauskomme- ich könnte die 15,- Euro ja auch bei Aldi ausgeben. Oder für Tafeltüten.

Z wie Zusammenkunft hochmotivierter Helik..äh Schulkindereltern (eigentlich Elternabend, aber E war schon belegt)

Ich dachte, ich hätte es überstanden.
Ehrlich, ich Naivling dachte, ich wäre damit durch. Aber, um die Pointe heute mal vorweg zu nehmen: auf dem 2. Elternabend der fünften Klasse (weiterführende Schule, hurra! Das Kind ist groß! Selbständig!) schlug doch tatsächlich eine Mutter (ich möchte sie im folgenden die „Helikopterin“ nennen, mach ich aber besser nicht, wegen Wertschätzung, Mitmenschen, Nächstenliebe und dem ganzen Kram) vor, die Eltern könnten doch mal ein Klassenfest organisieren.
Klassenfest.
Moment, ich muss erst mal den Schmerz wegatmen.
Atmen…
Atmen…
Ok, geht wieder.
Leute. Es läuft doch eigentlich so: Ihr managt das mit dem Kind die ersten Jahre echt prima alleine, teilweise mit der Unterstützung irgendeines progressiven Kindergartens, und dann kommt die Schulzeit. Einschulung, erste, zweite, dritte Klasse undsoweiter und jedes Jahr kommt ihr eurem Ziel näher: die Kinder sollen endlich selbständig werden, ihren Schulkram alleine wuppen, mit Freunden abhängen, ihr Kinderzeug erledigen, was so Kids halt alles tagsüber tun müssen, Schnappschüsse via Snapchat verschicken, Pokemon vermöbeln und Bösewichte liebhaben oder umgekehrt und all das, von mir aus auch gerne Bescheid sagen wenn sie Hilfe beim Auswendiglernen der hessischen Mittelgebirge (oder niedersächsischen oder ach ihr wißt schon) brauchen, aber die grobe Richtung geht in: Do your own Thing. Und das möglichst bald.
Gut: in der Grundschule ist noch mehr Elternpräsenz gefragt. Oder sagen wir es so: die Kids finden es okay, wenn die Eltern jährlich das Klassenfest/die Weihnachtsfeier/irgendwelche Bastelkramnachmittage organisieren und stören sich nicht an der Anwesenheit der Eltern. (Ich mich schon, aber darum gehts hier ja nicht.) Höchtswahrscheinlich wären ihnen Klassenfeste ohne Eltern genauso recht, aber mach das mal so einem Helikopter klar.
Die Grundschule meines Sohnes war nicht nur von der Größe (200 Schüler! Hurra!), sondern vor allem vom Konzept her ein Traum. Keine Hausaufgaben, kein Frontalunterricht, kein stures Einbimsen von Wissen, stattdessen Lernzeit zum Wiederholen des Gelernten in der Schule, Gruppenarbeit, Projekte und vor allem Zuwendung und Vertrauen. Wie lerne ich Lernen? Wie organisiere ich mein Lernen, was kann ich, was verstehe ich noch nicht, wo brauche und wo finde ich Hilfe, und wo kann ich anderen helfen? Erfolgserlebnisse, Motivation und Selbstvertrauen statt Hausaufgabenstriche und Elterngespräche.
Mit anderen Worten: eine grundpositive Haltung zum Kind und seinen Fähigkeiten.
(Im Ernst, ich war letzten Sommer in einer Familie, da hatte das Kind nach drei Wochen 1. Klasse schon fünf (FÜNF!!!) Hausaufgabenstriche und eine Aufforderung zum Elterngespräch. What the fuck? Ich kann nicht soviel essen, wie ich….)

Das heißt: Im Gegensatz zu früher (früher: die Schulzeit meiner Eltern und teilweise auch noch meine eigene) in der bei viel zu vielen Lehrern die Schüler noch unter dem Generalverdacht standen, ohnehin nur faul! ihren eigenen Interessen! nachzugehen und ohne Disziplin! Ordnung! ständiger Kontrolle! und genügend Strafen! als kompletter Versager zu enden, haben offensichtlich sehr viele Menschen heute schon begriffen, dass anders ein Schuh draus wird. (Man bedenke: wenn alle Schüler/innen, denen vorhergesagt wurde, dass sie mit ihren schlechten Noten und ihrer miesen Arbeitseinstellung höchstens Müllmann oder Putzfrau werden könnten (eine Beleidigung für alle Entsorgungstechniker und Reinigungskräfte, aber damals war das eine sehr beliebte düstere Prophezeiung), tatsächlich diesen Weg eingeschlagen hätten, wäre es hier zwar sehr sauber, aber letzten Endes vermutlich menschenleer ohne all die anderen Berufe, die das Überleben der Menschheit sichern. Ärzte, Landwirte, Telefondesinfizierer…

Aber es gibt immer noch die, die ohne stetige Kontrolle und Überwachung ihrer Kinder nicht können. Schlimm genug, dass es keine Hausaufgaben mehr gibt. (Das Vaterland wird zugrunde gehen, WEIL ES KEINE HAUSAUFGABEN MEHR GIBT!) Im Bullshit-Bingo an erster Stelle: „Wenn ich nicht ständig hinterher wäre, würde mein Kind freiwiilig überhaupt nichts für die Schule tun“ oder „wieso kriegen wir nicht wöchentlich eine Information über den Lernstand meines Kindes?“
Ich meine: da erklärt der Klassenlehrer lang und breit das Konzept, erzählt von Vertrauen in die Fähigkeiten der Schüler, dass die Kinder motiviert sind, eine hohe soziale Kompetenz entwickeln, sich gegenseitig helfen, dass es ungewöhnlich ruhig in der Lernzeit ist und die Kinder allgemein offensichtlich sehr gut zurechtkommen in dem System und vor allem, dass die 5. Klassen mit dem neuen System in allen Arbeiten des ersten Halbjahres besser abschnitten als alle vorherigen 5. Klassen!
Und einigen Elternteilen fällt nix besseres ein, als zustimmend zu nicken und dann zu fragen, wie sie denn jetzt am besten eine genaue Kontrolle des Lernstands ihrer Kinder vornehmen können, wie sie sicher sein können, dass die Kinder auch ja alles Lernmaterial daheim abliefern und ob die Eltern denn nicht mal ein tolles Klassenfest für ihre Kinder organisieren wollen.
Haben die nix kapiert? Vertrauen? Selbständigkeit? Oh Mann.
Und ich schwöre: die sind alle in der Klasse meines Sohnes. Man muss sich nur mal die WhatsApp-Elterngruppe anschauen: Slapstick in Reinkultur! Diese ständigen Nachfragen, wer mal das Arbeitsblatt mit den Textaufgaben zuhause hat um es zu fotografieren, der Sohn hat es NATÜRLICH in der Schule „vergessen“ oder welche Seite im Englischbuch sie für die Lernzeit machen sollen oder ob jemand jetzt weiß, wann die Lernkontrolle in Deutsch geschrieben wird?
Ich bin wirklich gefangen zwischen Faszination und Abscheu. Ich meine, merken die noch irgendwas? Irgendwann, ich schwöre es, erwischt mich so eine WhatsApp auf dem falschen Fuß und ich antworte den Helikoptern: fragt doch verdammt noch mal bitte eure KINDER!
Ich dachte wirklich, die Eltern, die ihre Kinder zur Uni begleiten und ihnen die Bücher tragen, sind eine Erfindung der „Früher war alles besser“-Lobby. Sind sie nicht, ich habe sie kennengelernt. Und sie wollen ein Klassenfest organisieren. *heul*
Für die, die es vergessen haben: Klassenfest ist die Fortsetzung des *Kindergartengruppen*- (hier wahlweise *Mäuse*, *Pfützentrolle*, *Sonnensterne* oder *sonsteinbescheuerterName* einsetzen) festes. Die Erfahrung zeigt: solche Kindergartenfeste dienen lediglich zum Glänzen mit den neuesten Fingerfood-, Salat- oder Kuchenrezepten der Übermütter während die wenigen vorhandenen Männer verzweifelt Fußballergebnisse googeln und Frauen wie ich sich verfluchen, dass sie nicht wenigstens Sekt in ihre Trinkflasche umgefüllt haben. Boah, wie überflüssig ich diese „wir wollen uns alle mal kennenlernen“ Veranstaltungen finde. Am besten noch mit Vorstellungsrunde. Ich gebe hiermit bekannt: Man lernt auf solchen Events niemanden kennen. Vergesst es. Sollte es Gespräche außerhalb der Eltern-Lehrerbeziehung geben, dann nur innerfamiliär oder mit vorher schon befreundeten Eltern. Niemals lernt irgendein Elter ein anderes Elter auf einem Klassenfest kennen. No way. Selbst Parship hat hier keine Chance. Das liegt daran, das 90 % der Eltern gewzwungenermaßen dort sind und wesentlich lieber woanders wären (und das auch grinchmäßig ausstrahlen). Beim Zahnarzt oder so.
Und ganz sicher nicht auf dem Elternstammtisch, der zweiten der biblischen Plagen. Noch schlimmer! Eltern sitzen zusammen und plappern über die schulischen Belange ihrer KInder. (WhatsApp: Wir können da ja mal über das Konzept der Schule diskutieren und Verbesserungsvorschläge an den Lehrer weiterleiten. Entschuldigung? Die haben doch den Schuß nicht gehört.) Sorry, aber das ist megaübergriffig.  Es geht doch niemanden etwas an, was mein Kind für Schwierigkeiten in der Schule hat? (Wie die das wohl finden, wenn ihre Kinder später mal einen Kinderstammtisch gründen und dabei mit Augenrollen austauschen dass Muttern das Wasser nicht mehr halten kann und Vattern schon wieder die Herdplatte angelassen hat?)
Ich fasse zusammen: wenn man schon mit einer so fortschrittlichen Schule und engagierten Lehrern gesegnet ist wie wir, dann macht man vor allem eins: sich raushalten.
Ab dem 5. Schuljahr haben die Eltern meiner Meinung nach sowieso nichts mehr in der Gruppendynamik der Schulklasse ihrer Kinder zu suchen und kaspern da gefälligst nur herum, wenn sie gebeten werden und zwar von den Kindern. Egal, ob bei den Lerninhalten oder irgendwelchen Veranstaltungen.
Wie sollen die Kinder Selbständigkeit lernen, wenn ständig alles von den Eltern durchorganisiert wird? Kein Wunder, das die nix auf die Kette kriegen, wenn das immer schon so läuft.
Viel Spaß bei der Berufsausbildung. Ach nee, Studium. Die Helikopterkinder müssen ja alle auf Teufel komm raus studieren gehen.

Jetzt hab ich sie doch Helikopter genannt. Ups.

 

 

Stadt und Land

Wenn einem selbst schon nix gescheites zum Schreiben einfällt, muss man manchmal nur schauen was andere so für Fragen haben. Da macht man sich dann auch mal Gedanken über Themen die man sonst nicht so auf dem Schirm hat, in diesem Fall sogar passend zu meinem vorletzten Post zum Thema „Meine Straße“.

Susanne aus Wien hat sich Gedanken über die Unterschiede zwischen Stadt- und Landleben gemacht und daher eine ganzjährigen Blogparade zu diesem Thema ins Leben gerufen.
Ich mag es ja sehr, über den Tellerrand, bzw über die Grenzen der eigenen Lebensumstände rauszuschauen und zu gucken: wie leben eigentlich andere Leute so? Dazu passt perfekt mein Beruf: Da ich ja an drei Tagen in der Woche zu verschiedensten Familien nachhause gehe, sehe ich ziemlich viele unterschiedliche Ortschaften, Viertel, Häuser, Wohnungen im ganzen Kreisgebiet. Und zwar in beide Richtungen der Bevölkerungsschichten: vom Plattenbau im sozialen Brennpunkt (wobei man nicht vergessen darf, dass es in unserem reichen Kreis nicht wirklich „brennt“ wie woanders- jeder Frankfurter Streetworker liegt jetzt lachend unterm Tisch) bis zur Hipsterwohnung im angesagten Viertel. Dabei schaue ich mir immer sehr aufmerksam die Gegend und die verschiedenen Wohnformen an (und fahre auf dem Hin- und Rückweg extra langsam und aufmerksam glotzend durchs Viertel) und bei so manchem Haus würde ich am liebsten einfach klingeln und fragen ob ich mal drin gucken darf. Man kann es Neugier nennen, ich nenne es lieber soziales Interesse…:-)
Ich meine, meine eigene Hood kenne ich ja nun zur Genüge, yo.🤘

Im Februar lautet das Thema bei Susanne also „Stadt und Land im Februar: Der Verkehr, die Autos & so“.
Um gleich mal auf den Punkt zu kommen: Selbstverständlich braucht man hier ein Auto. Wir leben hier trotz der Nähe zum Rhein-Main-Gebiet verkehrstechnisch gesehen am Arsch der Welt. Es mag der schönste sein, aber es ist definitiv der Arsch der Welt. Ohne Auto hat man zwar die Möglichkeit, morgens um sieben in einem absolut überfüllten Bus mit einer Horde Schulkinder in Richtung größerer Dörfer zu fahren, in der Hoffnung, mit allen Körperteilen dran anzukommen, oder man fährt etwas später zu einer Uhrzeit, zu der man höchstens einkaufen gehen, aber nie und nimmer pünktlich auf irgendeiner Arbeit ankommen kann. Aber wie gesagt: es geht nur bis zum nächsten größeren Dorf, dann muss man umsteigen und sich so mühsam dem Ziel annähern. Mein Mann arbeitet in der kleineren Stadt direkt neben der großen Stadt- eine Strecke fünfzig Kilometer. Mit dem Auto früh um fünf (mit Turbo) zwar nur 35 Minuten (nachmittags 45), mit öffentlichen Verkehrsmitteln mit mehrfach umsteigen aber anderthalb Stunden, und das nur wenn alle Verbindungen klappen. Also eher selten.
(In meinem Job ist an ohne Auto gar nicht zu denken, da ich im ganzen Kreisgebiet herumfahre und das zu täglich wechselnden Zeiten. No way.)
Einkaufen ohne Auto? Der Supermarkt im nächsten Ort, der Metzger auch, aber im anderen Ort, in der ganz anderen Richtung. Drogeriemarkt, Buchhandlung, Friseur, Nähhimmel jeweils in einem anderen Dorf, ganz zu schweigen vom Bauern, wo ich die Milch und die Eier hole.
Alles schön verteilt in einem Umkreis von 10-15 Kilometern, das ist mit Bussen nicht zu schaffen wenn man nebenher auch noch arbeiten geht, selbst wenn sie pünktlich wären, was vor allem im Winter eher nicht so oft der Fall ist.
Hier hat also jeder ein eigenes Auto, was die Frage nach dem Parkraum aufwirft. Da die meisten Leute im Dorf auch ein eigenes Haus haben (wo sonst kann man sich das noch leisten?), befinden sich im Idealfall genügend Stellplätze auf dem Grundstück. Nur mal als Lacher für alle Städter: als wir das Haus gebaut haben, mussten wir bei drei Wohneinheiten fünf Stellplätze nachweisen. FÜNF. (Wer die nicht nachweisen kann, muss Ablöse zahlen, mehrere tausend Tacken für einen Stellplatz. Theoretisch. )
An solche lustigen Regeln hält sich auf dem Kaff natürlich kaum einer (zum Glück auch selten die Verwaltung) und alle klatschen ihre Karren munter an die Straße.

Natürlich haben wir wirklich ständig Stress mit diesen unmöglichen Wildparkern (das können nur Stadtflüchtlinge sein). Da hat man so eine schöne Straße direkt vor dem Haus, hat sie Samstags ordentlich gefegt, jedes Läubchen und Blättchen aus dem Flessjen (dieser Streifen zwischen Asphalt und Bürgersteig, da wo im Idealfall bei Regen das Wasser langfliesst, wie verdammt heisst der eigentlich wirklich?) gefriemelt*, damit die Nachbarn nicht schon wieder so kritisch gucken und dann kommt da so ein Honk aus der nächsten Straße und STELLT SICH DA EINFACH HIN!
Ein echter Dörfler kriegt da Schnappatmung. Nicht nur (aber vor allem natürlich), weils die Optik stört (und das ist verdammt nochmal MEIN Grundstück). Aber so ein Riesenmüllauto zum Beispiel kommt zwar am Fiat Panda der Nachbarin locker vorbei, aber wenn im Sommer die Bäume ihre Äste weit über die Straße recken und dann auch noch der neue Mieter von Müllers mit seinem Sprinter am Straßenrand steht, wird es lustig und man hat hoffentlich genug Popcorn und Getränk mit auf dem Balkon um die Schimpftirade des türkischen Müllfahrers zu genießen.
(Aber mal im Ernst: manche Leute parken echt hirnlos. Direkt gegenüber einer winzigen T-Kreuzung zum Beispiel. Im täglichen Anwohnerverkehr kein Problem. Blöd nur, dass die LKW-Navis ihre Fahrer immer genau dieses kleine, ohnehin schon arschenge Sträßchen runterschicken. Und so ein 40-Tonner mit Anhänger braucht halt ein bißchen Platz… Da wird man schon mal frühmorgens von einer volltönenden Hupe aus dem Schlaf gerissen, so dass man denkt, was zum Teufel hupt das blöde Kreuzfahrtschiff hier rum. Die Hupen. Die Hupen von großen LKW hören sich an wie Schiffshupen. Sirenen. Was weiß ich wie die heißen. Ist es nicht?)

Fahrradfahren ist hier übrigens natürlich eine Option.
Wenn man unbedingt für die Tour de France trainieren will.
Bergauf, bergab, egal wohin man will, die geologischen Aktivitäten der letzten Millionen Jahre haben in unserer Gegend vor jedes Ziel mindestens drei vollkommen unnötige Hügel geklatscht. Man käme wesentlich schneller an, wenn alles flach wäre, aber nein, keuchkeuch, den Berg hoch, huuuiii, runter, keuchkeuch, wieder hoch, huuiii undsoweiter, bis man endlich auf der exakt gleichen Höhe über NN angekommen ist wie vorher, nur halt höhenmäßig mit vielen Umwegen. Das heißt: wer Fahrradfahren will ohne Tour de France-Trainingseinheit, schnallt die Drahtesel aufs Auto, fährt die halbe Stunde bis zur Lahn und dann in flachem Gelände dreissig Kilometer hin und zurück. Natürlich nur bei gutem Wetter. Und eingekauft hat man dann auch noch nix.
Wir stellen also fest: wenn eins aufs Land zieht, hat es frische Luft, viel Natur und eine tolle Gegend (und Menschen! Viele tolle Mitmenschen! Ok, ein paar Arschnasen sind auch dabei, aber hey- die kann man ja ignorieren.) Dafür keine Blechlawinen, keine Abgaswolken, keinen permanenten Straßenlärm, aber auf eins kann es nicht verzichten: das Auto.

Und nun, nur um die wettermäßig gräßlichen Bilder von weiter oben aus den Köpfen zu kriegen, hier ein Bild von einem meiner liebsten Verkehrsmittel, so ruhig, so majestätisch, so sehr Sommer, Gin Tonic auf dem Balkon und schönes Wetter:

Ich kanns kaum erwarten.

*Das ist natürlich glatt gelogen. In einer perfekten Welt wäre das zwar tatsächlich so. „Samstags wird die Gass gekehrt“ ist Grundanforderung auf dem Dorf, aber nunja, was soll ich sagen. Wer eine ordentlich gepflegte Straße sehen will, muss bitte ein paar Schritte weitergehen… Mal ehrlich, wir wohnen am Waldrand. Wald! Da kann man immer sehr schön beobachten, wie Mutter Natur sich jedes Jahr neue Strategien zur Rückeroberung ihres Lebensraums ausdenkt. In einem Jahr sind es Milliarden von Eicheln, die wie ein dichter Teppich die Straße bedecken, im nächsten Jahr keine einzige Eichel, dafür kommt uns besonders in sehr regenreichen oder sehr dürren Jahren kubikmeterweise der Waldboden besuchen, breitet sich über die Straße aus und versucht, das Grundstück zu bedecken, oder unzählige Löwenzähnchen wachsen nicht nur teppichartig auf dem Grundstück, sondern auch aus jeder Ritze im Asphalt (und ich meine JEDE Ritze) heraus und knabbern unablässig an den menschlichen Artefakten wie Bordsteinkanten, Strassenbelag und Pflastersteinen- ich meine, wer sich auf diesen aussichtslosen Kampf einläßt, hat eh schon das Ticket in die nächste psychiatrische Abteilung gezogen. Und Zwangsjacken stehen mir nicht so gut.
Also lass ichs, mach doch was du willst, Natur. Hauptsache man findet im wuchernden Dschungel Haus und Auto wieder, der Rest erledigt sich von allein bis zur nächsten Saison.

LaSilla von Schnittgeflüster

Kurz vor Toresschluß doch noch ein Rums, hurra! Und schon der zweite dieses Jahr, man staunt.
Das Nähen dieser Hoodies hat mich nun doch infiziert, erstaunlich. Ich war immer der Meinung, in so einem Ding sehe ich aus wie grad aus dem Traktor oder LKW gefallen, das unterstreicht irgendwie so mein innerliches Bauerntrampelgefühl. Aber nee, ich muss sagen, gefällt mir gut. Bequem, kuschlig undsoweiter, kann man mehr von haben.
Erste Adresse für minimalistische Schnitte in Wohlfühlweite und trotzdem gut aussehend auch in großen Größen sind die Schnittflüsterer. (Wobei ich garnicht weiß- ist das jetzt eine Person, oder mehrere? Egal.)
Jedenfalls machen sie schöne Schnitte, ich habe schon einige Oberteile danach genäht und mag die Teile sehr. Aufgrund meiner neu entdeckten Hoodieliebe nun also LaSilla.
Hier das Ergebnis, der schönste zuerst:

La Silla in einem blättrigen altrosa Kuschelsweat, selbstverständlich wie fast alles aus dem Nähhimmel, hier in 48, denn man lernt ja aus seinen Fehlern…
(Der Sweat ist SO neu, quasi noch heiß von der Strick- und Druckmaschine, das er es noch nicht in den Onlineshop geschafft hat, ist aber noch vorhanden im Laden.)

Der Fehler bei der ersten LaSilla war derselbe wie immer: ich bin so geizig, dass ich niemals (NIEMALS!) ein neues Schnittmuster in meiner tatsächlichen Größe nähen würde. ES KÖNNTE JA ZU KLEIN SEIN. Und was mach ich dann mit dem fertig genähten Teil, wenn es nicht passt?? Ich sehe, ihr versteht mich.
Erschwerend kam hier hinzu, dass der weiche Cosy Me Sweat von Cherry Picking schon in büschen wat älter ist und es ihn nicht mehr gibt. Puwääh! Also: du verkehrt nähe, dann Stoff tot.
Wie man an diesem Teil sieht, könnte ich noch eine Menge futtern- ist noch genug Platz. Aber vielleicht nähe ich es einfach noch ein bißchen enger.
(Enger. Für mich. Hurra!)

Ok. Ist viel zu groß. Aber soo herrlich bequem!

Übrigens habe ich bei meinen Fotoversuchen heute unbeabsichtigt ein wirklich sehr schönes Symbolfoto für meinen Job hingekriegt. „Machen sie eine typische Handbewegung für ihren Beruf“

Tja, so sehen mich also meine Hauptklienten tagtäglich auf sich zukommen.
Sie könnten es schlimmer haben, oder?