Die „Anke vs. Attila“ Battle

Ein angenehmer Nebeneffekt des Urlaubs ist ja das Lesen.
Wo ich früher dreimal pro Woche in der Bücherei war um schubkarrenweise Romane auszutauschen, bin ich ja heute froh, wenn ich so zwei Bücher schaffe. Pro Jahr. Sachbücher und Fachliteratur eingeschlossen.
Ganz selten interessiert mich mal ein Buch so, dass ich es mir stante pede kaufen muss.
So geschehen mit „Nudeldicke Deern. Free your mind and your fat ass will follow“ von Anke Gröner.
Das Vorwort hat den Kauf-mich-Reiz ausgelöst:

Dieses Buch ist kein Diätbuch. Ganz im Gegenteil. Dieses Buch sagt dir: Schmeiß bitte alle Diätbücher weg, die du hast. (Ich weiß, dass du welche hast.) Vergiss das Kalorienzählen, das schlechte Gewissen, den Kampf, „die letzten drei Kilo“ noch wegzukriegen, vergiss es, lass es und fang wieder an, einfach zu essen. Wobei ich ganz genau weiß, dass dieses „einfach essen“ unglaublich schwierig ist.
(Vorwort aus: „Nudeldicke Deern“ von Anke Gröner)

Und ich hab mich nicht geärgert. Im Gegenteil. Ich habe das Buch gelesen, hatte anschliessend Nackenschmerzen wegen dauerndem Nickens während des Lesens und habe im Urlaub zwei Kilo zugenommen. *Waaahhhhh*
Nee, nix „waaaah.“ Die zwei Kilo hätte ich so oder so zugenommen, die nehme ich bei JH-Verpflegung ohne 0,3% Milch, 0,1% Joghurt, fettarm zubereitete Mahlzeiten aus 80% Gemüse, und dem ganzen anderen Bohei den ich sonst ums Essen (oder Nicht-Essen) mache, IMMER zu im Urlaub.
Der Unterschied ist: Ich hatte eine schöne Woche, ohne ständig genau bedenken zu müssen, wo ich wann in der Nähe von gefährlichem (oder ungefährlichem) Essen bin, und was ich jeweils immer an Obst bei mir haben muss, um BLOSS keinen Heisshunger auf gefährliche Kalorien zu kriegen.
Mit anderen Worten: ein entspannter Urlaub mit dem Fokus auf der Familie, schönen Ausflügen und ab und zu einem Eis. Mjam. No Stress. Ganz ohne schlechtes Gewissen. Danke, Anke!

(Vorgeschichte: Vor drei Jahren schrumpfte ich mich relativ problemlos mit einer Ernährungsumstellung (Diäääähääät!!!) nach den amerikanischen Gewichtsbeobachtern von 95,8 (pfuibäääh!) auf 82 Kilo (naja.) Da geht doch noch mehr, woll? Nee, geht eben nicht!
Mit viel Mühen habe ich nochmal ein, zwei Kilo geschafft, aber dafür JAHRE gebraucht, bis ich im letzten Dezember die Reißleine zog und mir selbst in aller Deutlichkeit sagte:
Am Arsch die Waldfee, jetzt reichts!
Schlupp!- war ich wieder auf 82 und da dümpelte ich seitdem so vor mich hin. Das scheint mein Normalgewicht zu sein und damit fühle ich mich auch wohl. Trotzdem hatte ich immer den leisen Zweifel im Kopf: Müßte ich nicht noch etwas abnehmen? *murmel*)
Wo war ich eigentlich? Ach ja, die Battle.
Ich fühlte mich also eigentlich ganz wohl.
Nun wurde mir in verschiedenen Blogs, anderen Medien (Talkshowting-a-ling) und dann auch noch im Urlaub der junge, gut aussehende, vor Elan sprühende Attila Hildmann und seine Vegan for Fun Challenge unter die Nase gerieben.
Da ich ja sowieso immer auf der Suche bin nach Lebensmitteln, die schmecken UND mein ökologisches Gewissen beruhigen, dachte ich mir, das zu lesen kann ja kein Fehler sein. Ich will ja nicht gleich zum Veganer (keine Milch? keine Eier? öhhhmmm…) werden, aber vielleicht gibts ja wirklich ein paar gute Ideen, was man sonst noch so essen kann? Einfache Gerichte, leckere Alternativen zu Fleisch, Milch und Eiern?
Nun ja. Die Rezepte klangen teilweise auch ganz interessant, aber mal ehrlich: Hat schon je jemand mit meinen Begabungen versucht aus Zucchini Spagetti zu schnitzen? Oder Cannelloni aus Zucchini zu rollen?
Rezepte, die einen Satz wie: „es ist ein bißchen schwierig, die Dinger in eine Form zu bringen, aber nach drei bis vier Versuchen sollte es dir gelingen“ enthalten: Sorry- das wird nix. Das beinhaltet ganz klar und deutlich die Ansage: Wenn du es nach vier Versuchen nicht schaffst, bist du einer von den grenzdebilen Vollpfosten, die gerne Geld für mein Buch ausgeben dürfen, aber mir sonst nicht auf den Sack gehen sollen, weil sie zu verdammt dämlich sind und nicht in meine Challenge passen.
Attila, du alter Hungerhaken: das Buch überzeugt mich nicht.
Abgesehen davon, dass die Rezepte für meine Begriffe nichts mit dem Speiseplan MEINER Mittelschicht zu tun haben (ich bin sicher, auf dem Prenzlauer Berg oder in Königstein hast du genügend Jünger, die mangels notwendiger Erwerbstätigkeit genügend Zeit haben, die Rezepte auszuprobieren, aber ich hab anderes zu tun als drei Stunden lang zu versuchen, gerade Zucchinistreifen in eine runde Form zu bringen.), du versuchst mehrfach, irgendwelches Zeugs als Ersatz für tierische Lebensmittel anzupreisen und das kommt mir so lau vor. Ich brauch keinen Ersatz für Hackfleisch, der „fast genau“ wie das Original schmeckt. Entweder ess ich Hackfleisch oder ich lass es bleiben. Grünkern-Bolognese ist eine tolle Sache, aber nicht weil sie so gut nach Hackfleisch schmeckt. Sondern nach Grünkern! Verstehste?
Und komplizierte „überbackener-Käse-Ersatz“- Rezepte (ich muss zugeben, dass ich die Inhaltsstoffe und die Zubereitung vergessen habe, denn jetzt bin ich wieder daheim und das Buch hab ich vor mehreren Tagen gelesen, aber ich bin sicher, du weißt, was ich meine, ich kann mich nur noch an meine Gefühle erinnern beim Lesen des Rezepts ;-)) die dem „Original in nichts nachstehen“- ich weiß nicht. Muß das so? Willst du Käse oder nicht?
Bist du jetzt Veganer und scheisst auf Schnitzel, Hackfleisch, Gouda und Co., oder suchst du nur nach Alternativen und träumst in Wirklichkeit jede Nacht von einem fetten, großen Steak?
Also, falls ja- dann kann ich dir nur empfehlen: Lies das Buch von Anke. Das macht echt Spaß und es rückt die Perspektive mal wieder ein bißchen gerade. Nicht alle müssen so aussehen wie Barbie und Ken. Du kommst ja Ken ohnehin schon recht nahe. 😉
Es gibt so verdammt viele von uns und sie sehen alle anders aus. Zum Glück.

5 Gedanken zu „Die „Anke vs. Attila“ Battle

  1. Pingback: Fundstück |

  2. Ich unterschreib mal das, was Luci da gesagt hat. Außer, dass ich Anke auch nicht kaufen werde, weil ich immer esse, wonach mir gerade der Sinn steht. DankeanmeineEltern, dass ich das so einfach kann ;o)

    Doro, deine Posts sind einfach weltklasse. Ich les dich so gerne, und ich mag deine Sichtweise auf das Leben, die Familie, den alltäglichen Wahnsinn und den ganzen Rest.

    GLG
    Paula

  3. Das wichtigste ist doch, dass man sich wohlfühlt!(Und wenn man im Schwimmbad oder am Strand oder sonst irgendwo die Leute mal etwas genauer anschaut, stellt man schnell fest, das die wenigsten eine Traumfigur haben. Und auch das liegt immer im Auge des Betrachters!)
    Liebe Grüße,
    Anke

  4. Wenn ich nicht verheiratet wäre, würde ich dir jetzt einen Heiratsantrag machen *gg* Doro, ich LIEBE deine Posts! Bitte bitte bitte versprich mir, dass du nie mit dem Bloggen aufhörst ;o)

    Vielen Dank für deine Rezensionen. Vegan kommt für mich eh nicht infrage, aber die Anke, die werd ich mir wohl anschaffen. Klingt nach genau meiner Wellenlänge!!

    GLg, Luci

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.