Nerv des Monats Juni

Nein, nicht das Wetter. Auch nicht die EM. (Da kann ich wenigstens immer gut bei zuschneiden und nähen.)
Nein, es sind die jährlich (wenn man Glück hat. Manche (Also wir. Hmpf.) haben Pech, da gibts das halbjährlich) wiederkehrenden Schulveranstaltungen namens „Klassenfest“.
Wer noch kein Kind in Kindergarten oder Grundschule hat, bekommts kurz erklärt, alle anderen verdrehen jetzt ohnehin schon die Augen und wissen GENAU was ich meine.
Klassenfest ist die Veranstaltung, die rührige Elternbeiratsmitglieder jährlich (oder halbjährlich) für die Kinder UND ELTERN der Klasse auf die Beine stellen, damit man (bitte jeweils den passenden Text einsetzen:) sich mal kennenlernt/mal wiedersieht/mal was schööönes zusammen macht, jeweils begleitet von einem motivierenden breiten Strahlen über alle vier Backen. Vier, weils ja meistens zwei sind. Zwei Elternbeirätinnen, meine ich. Moahhh- ich krieg Puls wenn ich nur dran denke.
Wo war ich? Ach ja.
Bei uns werden meist Outdoor-Aktivitäten ausgesucht (Drachensteigen. Geocaching. Wandern. Picknick. Vater-Kind-Zelten.) die allen gaaanz viel Spaß machen, weil es doch so schön ist, zusammen zu sein und etwas Lustiges/lehrreiches/spannendes zu erleben, vielleicht noch ein Lied gemeinsam zu singen und *indieHändchenklatsch* ach, ist das nicht toll, so gemeinsam?

Nein. Ist es nicht. Im Gegenteil, es nervt absolut!
Erst die wochenlange Terminsucherei, jeden dritten Tag eine Mail vom Elternbeirat mit der flötengleich vorgetragenen Bitte um Eintrag in die Doodle-Liste *die Eltern von Lea-Sophie, Justyn und Franz möchten sich bitte noch eintragen, damit wir die Terminfindung abschliessen können, wir freuen uns schon ganz arg auf unser Klassenfest tiriliii*, dann die Auswahl, was wir wohl alle gemeinsam unternehmen möchten (Garnix *grummel*), entweder einen Nachmittag auf den Bauernhof, oder eine Wanderung mit Picknick oder oder oder siehe oben.
Am Tag des Ausflugs dann diverse WhatsApp von den Helden die zu feige sind, vorher abzusagen *sorryyyy, wir sind soooo traurig, aber leider hat Ramona-Teresa akuten Brechdurchfall bekommen und wir hängen auch schon über der Schüssel, wir können  leider nicht kommen, so schaaaade!* und schlußendlich wandert ein Grüppchen von höchstens halber Klassenstärke tapfer durch den strömenden Regen, sich gegenseitig versichernd dass es doch nix schöneres gibt, als ein Klassenfest, wenn alle so zusammen sind, sooo schön.
Oh Mann. Also, mal ganz abgesehen davon, dass die Kinder aus Juniors Klasse verstreut aus glaube ich sechs oder acht Käffern kommen, von denen ich vier vermutlich noch nie betreten habe, weil sie einfach am Arsch der Welt in der völlig anderen Richtung liegen, ist es nun mal ehrlicherweise auch so, dass mich achtzig Prozent der Eltern aus der Klasse nicht so ganz arg interessieren. Klingt hart, ist aber so. Es gibt einige Eltern, mit denen hat man öfter zu tun, mit manchen ist man befreundet, aber den großen Teil der Eltern wird man nach der Grundschulzeit vermutlich nie wiedersehen.
Wieso, zum Teufel, soll ich mit denen ständig Ausflüge machen? Ich will keinen Ausflug machen mit dem dummschwätzenden breitbeinig eierkraulenden Sportwagenbesitzer, nicht mit der ganzheitlich interessierten Friseurin (Homöopathie für Haar und Hund) und auch nicht mit der exaltierten Pamela-Anderson-Lookalike-Gewinnerin die mir dringend ihre Nageldesignerin empfehlen will.
Danke, es reicht mir völlig wenn ich die ganzen Vögel und ihre blöden Fragen am Elternabend ertragen muss, da muss ich doch mit denen nicht noch gitarrespielend ums Lagerfeuer tanzen, oder was?
Und mal ehrlich- die wollen auch alle nicht wirklich mit dieser dicken feldwebeligen Erzieherin ihre Freizeit verbringen, also mit mir. Die tun nur alle so nett, genauso wie ich so nett tue und ich HASSE solche Veranstaltungen.
Wenn ich also einen Wunsch ans Universum freihätte (wie mir die esoterisch veranlagte, leicht verhärmt wirkende Mutter von drei Kanaillen versichert *aber nur, wenn grad kein Chemtrail-Day ist, sonst kommen die Wünsche nicht durch, weißt du?*) dann würde ich mir für alle Elternbeiräte dieser (meiner) Welt eine Teilamnesie wünschen, was gemeinsame Ausflüge betrifft.
Elternabende: Ja.
Klassenkasse einsammeln: Na gut.
Gesamtschulveranstaltungen: nur wenn es hundertjährige Jubiläen zu feiern gilt.
Klassenveranstaltungen plus Eltern: was ist das?

Ich hatte übrigens leider, leider Nähkurs am Klassenfest und konnte dann nicht teilnehmen. Sorry. Aber manchmal muss man echt ein Arsch sein. Junior war mit Freunden mit. (Zumindest bis es nicht aufhörte zu schütten, da war es vorbei mit dem Wandertag.) Fürs erste sind wir durch. Nur noch ein Schuljahr!

Ach du Scheiße, mir wird grad klar, dass da ja schon wieder bald die Weihnachtsfeier auf der Matte steht. Wollen wir gemeinsam Schlittenfahren oder eine Winterwanderung oder gemeinsam Plätzchenbacken? Neiiiiiin! *wimmer*

(„Vater-Kind-Zelten“ ist übrigens bei uns eine besonders perverse Form von „Klassen“fest. Mein armer Mann musste in den vier (!) Kindergartenjahren viermal mit Junior und allen anderen Kindern und Vätern auf einem Sportplatz mitten in der Pampa campen. Von nachmittags bis zum nächsten Morgen und das war natürlich alles eine hochpädagogische Veranstaltung. Wir stärken die Vater-Kind-Beziehung durch verschiedene Kleinkind-affine Partyspiele (im brandneuen Jack-Wolfskin-Outdoor-Outfit mit brennenden Zweigen wild ums Lagerfeuer rasende Kinder vor der Kollision bewahren, den Nachwuchs vom Verzehr giftiger Blätter abhalten und so ähnlich). Sämtliche anwesenden Väter brachten dieses Abenteuer nur unter Zuhilfenahme größerer Mengen alkoholhaltiger Getränke zum Ende (ich hörte, es seien mehr Bierkästen als Kinder anwesend gewesen…) und „nach dem Ausschlafen und gemütlichen gemeinsamen Frühstück“ standen Mann und Kind spätestens um 7:00 wieder auf der Matte. Jo.
Puh.

Man flüsterte mir kürzlich, in der weiterführenen Schule seien solche Zwangsaktivitäten nicht mehr üblich. Seitdem denke ich darüber nach, ob ein Kind mit gutem Notendurchschnitt wohl gleich von der dritten in die fünfte Klasse wechseln kann…

(Natürlich sind alle hier beschriebenen Charaktere frei erfunden und alle Eltern aus Juniors Klasse sind total nette, intelligente und liebe Leute, mit denen ich am liebsten allesamt in einer RiesenWG wohnen möchte. Hust.)

7 Gedanken zu „Nerv des Monats Juni

  1. *ggggg* Letzten Montag sollte Klassenabschlussfeier des laaaaangen Schuljahres sein – fiel LEIDER dem Regen zum Opfer! Was da vorher für Vorschläge kamen, ich konnte nur den Kopf schütteln …

    Liebe Grüße,
    Frau Mena.

  2. Schade, daß Du solche Erfahrungen machst. Wir hatten in der Grundschule jedes Schuljahresende ein nettes Klassenfest. Wir haben einfach zusammen gegrillt und jeder hat etwas zum Essen mitgebracht.
    Genauso gestaltet sich das in der Gym-Klasse. Die Eltern / Teenies verstehen sich wirklich gut – eine tolle Gemeinschaft. 1x im Jahr ist Klassengrillen und es kommen fast immer alle – es sei denn, sie haben wirklich einen wichtigen Termin.
    Auch hier bringt jeder etwas zu Essen mit, wo sich jeder bedienen kann.
    Gibt also auch gute Erfahrungen. Man muß ja nicht mit jedem gut können, aber wir haben da echt bis jetzt (8. Klasse) Glück.
    LG Bärbel

  3. Zu geil!! JA!! Genau so!! Du schreibst fantastisch – genial – auf den Punkt genau! Wenn Du sie gefunden hast diese Teilamnesie, mit der man ohne schlechtes Gewissen um so einige Zwangsveranstaltungen / – unterhaltungen drum rum kommt, hätte ich gerne einen Ableger! Mit Dank voraus! Nic….

  4. Hahahahaha, ja sowas das ging mir auch immer ganz gewaltig auf die Nerven. Manchmal wurde ich auch echt dazu genötigt einen Kuchen zu backen. Ich selbst habe mich immer ganz dezent zurück gehalten.
    Ich mag solch Gelabere, was deren Kinder alles schon können und in wie viele Kurse sie gehen usw. nicht. Das sind Kinder die absolut nach Terminen leben und für mich sind das keine Kinder, sondern funktionierende Maschinchen. Meine durften und dürfen richtig Kind/er sein.
    Kiga und Gruschu sind bei uns Gott sei Dank vorbei, die Jüngste kommt nun in die 7. Klasse, aber bei ihr kam kürzlich auch ein Anmeldeformular für ein doofes Klassenfest ……
    Bei den Festen sind es sowieso immer die selben Hypermütter, die meinen alles erdenklich Tolle für Eltern und Kind zu organisieren, mit diesen ich im Grunde gar nix zu tun haben will.
    Aber irgendwann nimmt das tatsächlich ein Ende und im nach hinein hat man mit anderen Eltern gar nichts mehr zu tun. Es sei denn die wohnen in unmittelbarer Nachbarschaft. LG Patti

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