Gin Liebe

In diesem Sommer habe ich beschlossen, dass ich das mit dem Alkohol jetzt endlich mal in geordnete Bahnen lenken muss. Es geht ja nicht, dass ich meinem Mann immer die teuren Whiskys wegsaufe, wo die mir ja jetzt gar nicht mal sooooo dolle gut schmecken. Mehr als Glenmorangie brauch ich eigentlich gar nicht.
Ich musste mir also was eigenes suchen, wofür ich mein Doppeljobgehalt sinnlos zum Fenster rauswerfen kann. Da fiel mir der Gin Tonic wieder ein, den wir in Singapur des öfteren geschlürft hatten, der war hier bislang immer nur recht halbherzig aus Gordons Dry und Schweppes zusammengemixt- das sollte doch noch aufzuwerten sein, daher wurde im Sommer erstmal zusammen mit der Ginfreundin ein Gin-Tasting bei der Volkshochschule gebucht.
Hört sich scheiße an, war aber ganz nett. Die Dame (Deutschlands weltbeste und einzige Gin/Whisky/Rum-Sommeliere mit internationaler Sauferfahrung oder so ähnlich, was weiß ich, ich habs mir nicht behalten) hatte einen veritablen Schlagschatten, war aber ganz erträglich. Sie spulte nach einem vergleichsweise winzigen Begrüßungsdrink
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(langt doch grad für den hohlen Zahn) erstmal eine dreiviertel Stunde den Wikipedia-Eintrag über Gin ab nach dem Motto „Was sie schon immer gerne gleich nach dem Hören wieder vergessen wollten“. Zusammengefasst unter der Überschrift: „Sie sind hier schliesslich bei der Volkshochschule, da wird erst gelernt und dann gesoffen“ war das aber schon fast amüsant. img_1837
Ein bißchen fies war, dass der Vortrag vor dem reich gedeckten Probiertisch mit ungefähr hundert Sorten Gin, Tonics und sonstigen Kram stattfand, aber zum Glück hat sie sich noch rechtzeitig besonnen und das Zeug zum Abschuß freigegeben, bevor die Zuhörerschaft sie aus dem Weg schubsen konnte.

Aber dann gings los. Wir durften ALLE Gins auf dem linken Tisch mit jeweils unterschiedlichen Tonics und sonstigem Dekorations-Gelumpe probieren, das waren zehn Stück an der Zahl. Haben wir natürlich locker geschafft. Auf dem rechten Tisch standen auch noch diverse Flaschen, die man auch gerne alle probieren durfte. Ich schätze mal verwegen, das von den Anwesenden an dem Abend niemand mehr gefahren ist…
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Die einzelnen Gins bekamen ganz unterschiedliche Sachen mit ins Glas geworfen, angeblich um den Eigengeschmack zu unterstreichen, ähh- ja. Das ist wieder mal was für Leute mit Milliarden Geschmacksknospen die im Brot noch rausschmecken, welches Reh mal aufs Weizenfeld gepieselt hat. Ich hab leider nur drei Geschmacksknospen, die können nur lecker, naja und bäh.
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Es gab Gin mit Blaubeeren (lecker), mit Gurkenstück (naja), Oliven (bäh), Rosmarin und schwarze Pfefferkörner (bäh), Zitrone (lecker), Orange (lecker), Kakaoschnaps (naja) und Tomate und Basilikum (bäh. BÄH!).
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Letzteres wurde sofort aus meinem Glas exorziert und der Gin kam auf die Todesliste.
Den Rest Zutaten habe ich (wahrscheinlich zu Recht) sofort wieder vergessen. Ach nee, einen gabs noch: „Tea-infused“- das war der einzige, den wir nach einem winzigen Schluck sofort in die Blumenrabatten gekippt haben. Da kippte die Dame eine ganze Flasche Gin auf so einen ekligen Instant-Kaltgetränk-Teebeutel, der Gin färbte sich langsam pink und bis er dran war, nahm er den widerlichen Geschmack nach künstlichem Aroma und Süßstoff an, das war ENTSETZLICH! (Zu diesem Zeitpunkt glaubte ich kurz, jetzt macht sie den Reißverschluß im Genick auf und aus der Haut schlüpft Edward, die Schabe, die die Welt unterknechten will. Was für einen Sinn soll es sonst haben, edlen Gin auf Instant-Tee zu kippen? Ich kanns immer noch nicht fassen. Sommeliere mit internationaler Erfahrung…)
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Boah, ey. Widerlich.
Für den Hausgebrauch beschränke ich mich vermutlich ohnehin auf Tonic und Eiswürfel. Alles andere ist ja eher unpraktisch. Man stelle sich vor, ich möchte einen Caorunn mit einem Orangenscheibchen garnieren. Was mach ich mit dem Rest der Orange? Acht Gintonics hintereinander weg trinken? Neenee, ich lass das ganze Zeug besser weg, beschränke mich auf das wesentliche und fange an, Gin zu sammeln. Und bei Gelegenheit zu trinken.
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2 Gedanken zu „Gin Liebe

  1. Hömma, die Dame gibt VHS-Kurse. VHS! Kurse! Das allein reicht mir ja schon als Kernaussage über die Qualität des Kurses. Wobei, hierbei ging es ja auch um Quantität. Und da gebe ich mal aus der Ferne die volle (haha, Kalaueralarm) Punktzahl.
    Deine 3 Geschmacksknospen toppe ich noch durch meine Nummer 4: WÜRG.
    So, das wars von mir für heute.
    Ganz ganz liebe Grüße,
    Bine

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