Schnarch des Monats: Die Wahl der Qual

In zwei Wochen ist mal wieder Bundestagswahl, dürfte ja inzwischen jeder mitgekriegt haben, und ich stelle fest, es ist mir noch nie so schwer gefallen mich zu entscheiden.
Ich schwanke zwischen Entsetzen, Ungläubigkeit und Ach-leckt-mich-doch-alle-mal-am-Arsch hin und her und weiß es wieder nicht: wen soll ich wählen?
Ich weiß nicht, wer sich die Wahlplakate dieses Mal ausgedacht hat, aber diejenigen müssen einen ziemlich üblen Humor haben oder sie leben schlicht nicht im gleichen Deutschland wie ich.

Was für einen hanebüchenen Kalenderspruchmist unsere Kanzlerin von den Megaplakatwänden herab verzapft, sorry, mir wird schlecht. Also wirklich, Leute. „Das große Ganze beginnt mit einem Ohr für die kleinen Dinge“ *säusel*- mal ganz abgesehen von dem gruseligen Spot mit dem armen Baby im Mutterleib (ich konnte den Spot nur ohne Ton sehen, ehrlich, die Untertitel waren schlimm genug! Wer hat eigentlich das Baby gefragt von wegen Recht am eigenen Bild? Wo sind Peta, wenn man sie mal braucht?) ich weiß nicht ob ich kotzen oder mich fremdschämen soll für so einen Krampf.
Vielleicht ist es schon jemandem aufgefallen: wer mir bei Facebook mit zuvielen süßlichen Kalendersinnsprüchen kommt wird rigoros geblockt. Also, liebe Kanzlerin: du bist hiermit offiziell entfreundet, geh weg, such dir eine Datsche in der Uckermark und tapezier meinetwegen dort die Wände mit Sinnsprüchen aus der Hölle, mir egal, aber geh einfach weg. Ksch!

Leider gibt es aber in diesem Wahlkrampf niemanden, der sich wirklich ernsthaft um die Nachfolge im Kanzleramt bemüht. Ach, doch, da war ja jemand, dieser Herr Schmidt von der Hamburg-Mannh von der SPD. SPD, SPD, wer waren die noch gleich…grübel…. achja! Nach einem Blick auf die Wahlplakate weiß ichs wieder: Das ist diese total unangepasste, innovative und unbequeme Partei, die der CDU schon seit Jahren auf den Füßen steht und sie zu all diesen segensreichen Entscheidungen zwingt, die es ohne die gute SPD niemals gäbe. Equal Pay, Bildung für alle, Gerechtigkeit undsoweiter, hach. Martin, Martin, Martin! Ach, Verzeihung, da ist mir wohl ein kleiner Tagtraum dazwischengerutscht, muuharharhar. „Unsere Familienpolitik ist genauso: laut und fordernd.“ Da kann ich noch nicht mal mehr lachen, da bleibts mir echt im Hals stecken. Die SPD? Fordernd? Das ist so abwegig, da fühl ich mich ja fast beleidigt dass die denken ich würde das schlucken. Halten die mich für doof?

Aber gut, wieso nicht, die FDP hält mich ja auch für doof. Die denken offensichtlich, dass ich einen Parfümverkäufermodeldarsteller wähle, weil er so hip und gleichzeitig tiefphilosophisch ist, dass ich darüber vergesse, dass die FDP als traditionell wirtschaftsorientierte Partei einen Dreck für Familien- und Sozialpolitik gibt. „Schulranzen verändern die Welt, nicht Aktenkoffer.“ Joah- aber nur wenns die schweinsledernen Ränzelchen sind, die vor der Privatschule aus dem Porsche Cayenne gezerrt werden, oder was?

Und, ach Gott, die Grünen. Ja, da war mal was. Diese Wachsstiftkratzbilder kennt jeder, oder? Wenn man da mit einem Kratzer an der schwarzen Oberfläche kratzt, erscheinen untendrunter die Farben die da vorher waren. Bei manchen eben grün….

Mit anderen Worten: das gleiche halbherzige Wahlkampfgelaber wie seit vielen Jahren, dieses Jahr vielleicht noch ein bißchen müder, gelangweilter und lustloser als sonst.
Was für ein Glück, dass hier in Deutschland eine gute Bildung vorherrscht, alle zufrieden sind und fest auf demokratischem Boden stehen. Nicht auszudenken, wenn es hier solche Tendenzen wie in den USA gäbe. Marodierend durch die Straßen ziehende Nazigruppen, Politiker, die offen rechtsextreme Positionen vertreten und/oder verharmlosen und genügend Wähler die das ganze auch noch demokratisch legitimieren.

Puh, da kann man wirklich froh sein, dass wir so starke Parteien und Politiker haben, die sich einem Rechtsruck in Deutschland entschieden und kompromisslos entgegenstellen und die gleichzeitig seit Jahren mit einer klugen Familien- und Bildungspolitik dafür sorgen, dass es allen Bevölkerungsschichten gut genug geht, dass niemand einen Sündenbock für sein eigenes Elend suchen muss….

 

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