Jahresrückblickende Weihnachtsgedanken. Edition feierlich.

Der allgegenwärtigen Meckerei über das fast vergangene 2016 einen Kontrapunkt setzend möchte ich hier mal in aller Deutlichkeit sagen: 2016 war ein tolles Jahr!

Ja, gut, global und politisch gesehen war es eher eins der schaurigsten überhaupt in meiner Erinnerung. Man möchte sich garnicht nochmal in Erinnerung rufen, was dieses Jahr alles schief gelaufen ist, aber wenn man es dann doch tut, stellt man fest, dass die Dinge garnicht erst in diesem Jahr schiefgelaufen sind. Wir haben nur den Schlag jetzt erst gehört. (Und werden im September 2017 noch einmal betreten um uns blicken, wenn uns der nächste Schlag trifft.) Genug der Kassandrarufe, am End murkst mich noch einer ab, ich sags ja nur damit ich nachher sagen kann: ich habs ja gesagt.

Aber so privat, das heisst: Familie, Arbeit, Schule, Freunde, das winzigkleine Dorf in dem wir leben- das alles war in diesem Jahr sozusagen ein stetig sprudelnder Quell der Freude. Okay- gelogen. Nicht ganz. Aber mal ehrlich, wie toll muss das Leben sein, wenn das Schlimmste worüber man sich aufregen kann, ein falsch ausgefüllter Mitgliedsantrag oder eine schlecht laufende Schulbusverbindung ist?

Junior hat meinen Vorsatz vom Anfang des Jahres (alle Harry Potter Bände nochmal lesen) leicht abgewandelt umgesetzt und seit Anfang Oktober bis gestern Mittag alle sechs Bände in Hörbuchversion durchgehört. ALLE sechs Bände! Das sind 121 CDs!
(Mit den Filmen hinken wir etwas hinterher, die sind ja in ihrer Darstellung doch etwas gruseliger, abgesehen davon bin ich der Meinung, dass man erst die Bücher kennen sollte, bevor es an die Filme geht, das sieht Junior zum Glück auch so.)

An der hohen Frequenz der Blogbeiträge *hüstel* merkt man deutlich: Zeit war Mangelware in 2016 und zwar mit steigender Tendenz. Obwohl beide Jobs zusammen eigentlich nicht mehr als 25 Stunden wöchentlich ergeben, bleibt doch insgesamt wenig Zeit für solche Dinge wie Blogschreiben über. Die ständig wechselnden Einsatzorte und Zeiten kosten zusätzlich Zeit und so blieb in diesem Jahr einiges auf der Strecke. Genäht habe ich insgesamt zwar viel, aber recht selten gerumst, ganz zu schweigen von Made4Boys, wo ich auch kaum Gast war dieses Jahr.
Am meisten gelitten unter dem Zeitmangel hat allerdings unser Haushalt. Ich hatte ehrlich keine Ahnung, dass soviele Wollmäuse bei uns wohnen. Ganze Großfamilien haben es sich im Laufe der manchmal Wochen Tage ohne Staubsauger in der Wohnung gemütlich gemacht, kamen gemächlich unter dem Sofa oder den Schränken hervorgekrochen, feierten in den Ecken Straßenpartys und lebten in friedlicher Eintracht mit ihren Geschwistern im Geiste, den Staubwolken und blinden Fensterscheiben.
Falls uns jemand besuchen (und die Wohnung besichtigen) möchte, sollte er es demzufolge also heute tun, denn heute ist der Tag an dem das Bad glänzt, der Boden frei ist und die Sonne (falls vorhanden) es tatsächlich durchs Fenster auch hereinschafft. Sogar Juniors Zimmer ist aufgeräumt und teilweise gesaugt. (Wir hatten lediglich zu bedenken gegeben, dass das Christkind möglicherweise von einem Irrtum ausgeht wenn es ein Zimmer voller unaufgeräumter Spielzeugberge sieht, denn dort kann doch unmöglich jemand wohnen, der NOCH MEHR Spielzeug braucht?)

Leider hat es auch selten zu größeren Kochaktionen gereicht, trotzdem war ich täglicher Gast bei meinen Lieblings-Kochblogs Wesfood und Glatzkoch. Zugegeben, es ist mir schleierhaft wie man neben der ganzen Kocherei und Bloggerei auch noch einfach so vor sich hin leben kann, aber gut. Nicht jeder braucht so viel Schlaf wie ich…

Die Kategorie „Nerv des Monats“ wird hoffentlich demnächst auch wieder etwas belebt. Kaum erfunden dieses Jahr, kam sie auch schon wieder zu kurz. Hier eher weniger aus Zeitgründen denn aus Gründen des Entsetzens darüber, wieviel Dummheit, Borniertheit, Arroganz, ach einfach: Schlechtigkeit es eigentlich auf der Welt geben kann. Jedesmal wenn mir etwas auffiel, über das ich mich mal hätte so richtig aufregen können, wurde ich so entsetzlich müde bei dem Gedanken an die unendlichen Möglichkeiten der menschlichen Durchgedrehtheit, dass       ich       einfach        *gääähn*
Für das nächste Jahr bin ich guter Hoffnung dass ich mich an all das Elend gewöhnen kann, es wird ja vermutlich nicht besser werden, und dann kann ich mir auch wieder einen einzelnen Nerv herauspicken. Pragmatismus ist das Gebot der Stunde.

Richtig stolz bin ich auf meine beiden Buchbesprechungen in diesem Jahr. Erst im März Schlaf gut, Baby und dann im Oktober Das gewünschteste Wunschkind. Wenn wir alle unseren Kindern mit mehr Liebe, Wertschätzung und Respekt begegnen würden, hätte die Gesellschaft ab der nächsten Generation nicht mehr unter emotionalen und sozialen Krüppeln wie Petry, Trump und Konsorten zu leiden.

Das Erziehungs-ABC hat 2016 auch nur zwei weitere Buchstaben bekommen: L und W, auch hier gilt die Maxime des weißen Kaninchens: Keine Zeit, keine Zeit! Auch das wird hoffentlich im nächsten Jahr besser…

Die beiden Tage vor Heiligabend Urlaub zu nehmen, war jedenfalls ein sehr, sehr schlauer Schachzug, denn so entspannt und stressfrei sind wir noch nie zum 24.12 gekommen. Jeden Tag ein bißchen was gemacht (und den Baum selbstverständlich schon letzte Woche geschmückt) und es war noch genügend Zeit zum Couchgammeln und Weihnachtsgeschichte glotzen über. Es geht fast nicht schöner.

Euch allen ein friedliches, glückliches und fröhliches Weihnachtsfest!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.