Endlich

Endlich hat mal jemand mein Potential als Namensgeberin für leckeres Essen erkannt und gehandelt.
Nach Birne Helene, Chateaubriand, Pavlova, Caesar Salad, Boeuf Stroganoff und Bismarckhering *blärch* kommt jetzt endlich die mir schon länger zustehende Ehrung durch eine eigens für mich erfundene Pizza Margherita gialla per Doro.
(Wer schreibt mir einen Wikipedia-Eintrag *liebguck*?)

Na, also, geht doch! Wofür futter ich mich denn die ganze Zeit dick und rund?
(Ach so, unter anderem auch für den hier: Mama, du bist sooo herrlich weich und fluffig, ich würde dich am liebsten den ganzen Tag umarmen und kuscheln!
Ha! Nehmt dies, ihr dürren Hungerhaken!)
Tschüss, ich muss einkaufen, hoffentlich finde ich irgendwo gelbe Tomaten.

P wie Pimp my Baby

Yo man! Wer kennt noch WestCoastCustoms? Diese vollkommen abgefahrene US-Autowerkstatt, in der du deine alte Schrottkarre mit irrsinnig teuren (und völlig überflüssigen) Teilen frisieren und aufmotzen lassen kannst. Fährst mit nem rostzerfressenen alten Trabbi rein und raus kommt ein Geschoß mit dreizehn Spoilern, Metalliclack im Flammenlook, sarggroßen Boxen und Flachbildschirm im Autohimmel. Pimp my Ride, Man! Klar, oder?

Äh? Ja, is ja gut, war mal ne Serie auf MTV, kennt wieder keiner.
(Sorry, hatte heute eine Begegnung der dritten Art bei der Arbeit. Auf meiner Rückbank saßen Flo Rida und Xzibit, ehrlich. Ich bin immer noch ganz wuschig. Seitdem hab ich den Rapper-Floh im Ohr. Geht auch wieder weg. Hoffentlich.)

Wo war ich? Also ernsthaft jetzt. Es gibt diese „Pimp my Auto/Wohnung/Wasweißichnochalles Ideologie ja auch für Babys und es wird gefühlt immer schlimmer.
Die Zwerge sollen viel und das möglichst früh und am besten besser als alle andern können. Wenn Nachbars Kunigunde mit sechs Monaten schon anfängt zu krabbeln, dann wird Gwendoline mißtrauisch beäugt, wenn sie sich noch lieber gemütlich auf dem Rücken liegend die Welt anschaut.
Die Kleinen werden an den Ärmchen hochgezogen um sie zum Stehen zu animieren, in Sitzhaltung mit Kissen umpolstert (Gucke Se ma- die sitzt schon! *Baby kippt laangsam vornüber*) und in jeder freien Sekunde mit Rasselchen und Püppchen und Trallala hier und Scheißendreckchen da zum Spielen animiert, nein, Verzeihung: gefördert. Grundausstattung in jedem, aber wirklich JEDEM Baby- und Kleinkindzimmer: O-Bälle in allen Varianten, die Sortierbox, das Spieltrapez und als absoluter Höhepunkt: die Motorikschleife, das sinnloseste, als Förderspielzeug verkleidete Dumme Zeuch unter der Sonne. Hmpf.
Wer sein Baby mit der Motorikschleife quält langweilt, wird dafür bezahlen, glaubt es mir. Vierzig Jahre später wird es heißen: War ja ganz schön bei euch, die Kindheit, aber die Motorikschleife verzeih ich euch nicht, ihr kommt ins Heim!
Okay, na gut, wahrscheinlich wird das nicht passieren, Babys haben ja ein ziemlich mieses Gedächtnis- zum Glück für euch. (Uns. Jajaja- natürlich muss es korrekt heißen: uns. Hmpf. Wir haben sie geschenkt bekommen, ich schwöre!)
Von ca fünfzig mir bekannten Motorikschleifenbesitzern im Krabbelalter haben sich maximal zwei länger als 14 Sekunden dafür interessiert. Und die gaben nach einer Viertelstunde auch auf. Oder so. Jahaaa: natürlich gibt es hier und da Kinder, die sich damit beschäftigen können und möchten. Aber die Anzahl der in Deutschland verkauften Motorikschleifen ist (nach meiner repräsentativen Umfrage in den besagten fünfzig Kinderzimmern) derart irrsinnig viel höher als die Anzahl der Kinder, die die Dinger wirklich interessant finden, das ich mich frage, wieso ist das so?
Irgendein Mensch (vermutlich ein Hersteller von Motorikschleifen) hat den Teilen mal das Etikett „pädagogisch wertvoll“ verpasst und seitdem kaufen das alle Leute wie Depp. (Wieso komm ich nie auf solche glänzenden Dollar-Ideen?) Kann nicht anders sein, weil: allenthalben grassiert der Förderwahn.
Sind wir mal ehrlich: das meiste Spielzeug in einem Durchschnittskinderzimmer glänzt mit dem Etikett „Ganz toll, weil“ (fördert die Motorik/das Sprachverständnis/das Laufenlernen/die Verdauung/die Bilanz des Herstellers/wasauchimmer“) „Was? Das ist gut fürs Kind?“ Bääm! Schon gekauft! Funktioniert zuverlässig, vor allem in gutsituierten Elternhäusern.
(Nur mal als Beispiel: Hier wurde natürlich auch pädagogisch wertvolles Spielzeug gekauft, in diesem Fall: das Spieltrapez. Ein verdammt ziemlich arschteures Gerät, möchte ich betonen! Es hat dann sehr lange gedauert, bis Sohnemann es geschafft hat, aus seiner Wippe heraus diese nervigen Holzhängerchen zur Seite zu schieben, weil er eigentlich nur eins im Sinn hatte: Mama beobachten. Die Welt anschauen. Die Sonne, die Zimmerpflanzen, die unsichtbaren Freunde, was weiss ich noch alles zu betrachten. Und da bambeln ständig so ein paar Holzstörenfriede GENAU im Blickfeld rum. Wie verschnarcht war ich da, verdammt??)
Natürlich schadet das Förderspielzeug nicht zwangsläufig. Aber spätestens dann, wenn man dann die Kinder fortlaufend in der „richtigen Handhabung“ ihres pädagogisch wertvollen Spielzeugs unterrichten will. (Spätestens seit der Supernanny habe ich ein gestörtes Verhältnis zu „pädagogisch wertvoll“. Aber das ist ein anderes Thema.)
Beispiel Sortierbox:
Ein buntes Ding mit verschiedenen Formen, die in verschiedene Öffnungen passen und eingefügt werden sollen. Zuerstmal hat kein Baby oder Kleinkind auch nur den Hauch einer Ahnung von dem viel zu erwachsenen Konzept der Sortierbox. Die Kids sehen lediglich was buntes und das wollen sie untersuchen (oder auch nicht und die Tupperschublade ist interessanter. Und nu?). Schmecken, befühlen, werfen, wasauchimmer. Aber nie im Leben weiß ein Kind instinktiv, dass das blaue Dreieck in die blaue dreieckige Öffnung reinsoll. Woher auch? Und wieso?? Die wissen doch nicht mal, dass diese beiden Dinger zusammengehören, für sie sind das einfach nur: Interessante Dinge.
Wer jetzt versucht, die Entwicklung zu beschleunigen, indem er mit den Kindern „übt“ macht einen entscheidenden Fehler: Jedes „Nein, das Dreieck gehört doch nicht in den Kreis, das gehört doch hier rein“ und jedes „schau mal, Schatz, SO geht das“ demotiviert das Kind, weil etwas ganz entscheidendes ausbleibt: das selbstgeschaffene Erfolgserlebnis! Das Dreieck mit Hilfe von Papas Hand in den richtigen Platz der Sortierbox zu stopfen ist NIX gegen das Aha-Erlebnis wenn der rechteckige Bauklotz nach hundert Versuchen endlich im runden Tupperdöschen verschwindet. Und nach nochmal hundert Versuchen wieder rausflutscht. DAS ist Förderung: die Kids genau das machen zu lassen, an dem sie gerade Interesse zeigen.
Schmatzt mein Baby genüßlich an den eigenen Fingern herum, oder dreht es einen Holzklotz in der Hand? Versucht es sich zu strecken um an einen Luftballon zu kommen? Dann ist DAS gerade Förderung. Das Baby ist sehr vertieft in die Erforschung von Oberflächen. Es lernt das Gewicht und das Verhalten von Gegenständen kennen, lernt Abstände einzuschätzen. Jetzt in der besten Absicht mit einem pädagogisch wertvollen Holzspielzeug um die Ecke zu biegen lenkt das Baby ab und stört die Neuronen im Hirn bei der Verknüpfung. (Im blödesten Fall fängt das Baby an zu weinen, weil es gestört wurde, was Eltern oft zu hektischem „Aber was hast du denn, mein Schatz? Willst du die Rassel nicht? *jammer* Lieber den Ball? *schrei* Guck doch mal, so ein tolles Rasseldingdongklingelingspielzeug? *lauterbrüll* Oder hast du in die Windel gemacht? *kreisch*  Oh Gott, was ist denn nur mit dem Kind los? Bestimmt hat es Hunger!!“ Und da „Hunger“ offensichtlich der größte gemeinsame Nenner ist, auf den panische Eltern sich einigen können, wenn das Baby ohne schriftliche Erklärung weint, kriegt es was zu essen, obwohl es erst vor einer halben Stunde satt war. Natürlich ist Baby erstmal ruhig, wenn es Brust oder Flasche im Schnabel hat, „uff- tatsächlich Hunger!“, fängt aber drei Minuten später wieder an zu heulen weil jetzt der Bauch zu voll ist und weh tut, die Eltern rätseln, was das Kind hat, versuchen wieder alles mögliche (Rassel? Bäuerchen? Windel? Hunger?? *schrei*) Und schon ist eine ungute Spirale in Gang gesetzt an deren Ende häufig frustrierte, unglückliche und ratlose Eltern stehen und oft genug der Gang zur nächsten Schreiambulanz folgt.
Wo war ich? Ich werd ja grad selber völlig plemplem wenn ich darüber nachdenke.)
Eine Erkenntnis kann ich hier durchaus als evolutionär gesichert verkaufen: Kinder wollen lernen. Sie WOLLEN sich weiterentwickeln und streben immer nach der nächsten Stufe, nach dem nächsten „Big Thing“.
Boah, nach etwas greifen und es tatsächlich erwischen! Den Körper sooooooo lang machen bis man den Fetzen Stoff zu fassen bekommt! Dinge ineinander stecken und wieder herausbekommen!! Aus kleinen Fetzen (in der Tatübox) große weiße Wolken machen (die Taschentücher überall verteilen)!! Am Tischbein hochziehen und herausfinden was da oben so schön glänzt! In Bewegung kommen und dorthin krabbeln können wohin Mama gerade verschwunden ist!!
DAS sind Erfolgserlebnisse, die Kinder zum Weiterentwickeln animieren! Könnten Kinder sich nur mit Hilfe von pädagogisch wertvollem Förderspielzeug weiterentwickeln, dann, mit Verlaub, würden wir immer noch vom Baum runter scheißen. Bei den Höhlenmalereien ist meines Wissens keine einzige Motorikschleife gefunden worden und trotzdem haben irgendwelche Köpfe COMPUTER erfunden. Röntgengeräte! Mein Gott! (Ich bin mir nicht sicher, ob Konrad Zuse eine Motorikschleife daheim hatte. Oder Marie Curie einen OBall?)
Herrgott, Eltern, woher nehmt ihr nur eure verdammte Ungeduld? Lasst euch doch nicht von Motorikschleifenherstellern einreden, euer Kind sei nicht gut genug und müsse gefördert werden! In ein paar Jahren wird keiner mehr merken, ob Kunigunde früh laufen konnte oder wann Gwendoline sprechen lernte.
Babys und Kinder brauchen kein Förderspielzeug für eine gesunde Entwicklung. Genausowenig wie sie bunte Bentoboxen, Klamotten aus dem Boden-Katalog oder Kurse in südchinesischem Körpermakramee brauchen.
Der beste Fördermotor für ein Baby sind die Eltern. Authentische Eltern, die hinter dem stehen, was sie mit ihrem Kind veranstalten und selber Spaß dran haben.
Die Botschaft ist klar, oder?
Kauft keine Motorikschleifen/Schwimmkurse/whatever, weil die ja so irre fördernd sind.
Kauft sie nur, wenn ihr merkt, dass euer Kind sie wirklich toll findet. So einfach ist das.

Megarums

Nachdem die letzten Wochen eher von Stress geprägt waren:
Krankenhaus Collage
und von einer Mega-Erkältung ?, die uns aber nicht von einem Kurztrip nach Leipzig abhielt, durfte es etwas schöner werden:
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Abgesehen von einem tollen, aber viiiiiiieeel zu kurzen Besuch bei der Applizierqueen *wink* war das Highlight das Panometer mit einer 360° Ansicht des Great Barrier Reefs- das hat einem wirklich den Atem verschlagen. Wer mal in der Nähe ist: lohnt sich auf jeden Fall.
Nach einer kompletten Lazarett-Woche wurden wir aber im Urlaub zum Glück belohnt mit durchaus erträglichem Ostsee-Herbst-Wetter, sogar Sonnenschein war dabei.
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Und das ergab die Gelegenheit, meinen neuesten Rums wenigstens mal ordentlich zu knipsen:
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Den Schnitt (jERIKA von Prülla) hatte ich mir schon vor einigen Monaten gekauft, aber dann wusste ich nicht mehr weiter, denn *hüstel* irgendwas stimmte mit der Größe nicht. Seltsame Maßangaben waren das, die stimmten vielleicht für zierliche Elfchen, aber doch nie und nimmer für mich. Außerdem hatte ich erstmal bei den Selbermachern den falschen Softshell gekauft. Also schon den richtigen Softshell, nur gefiel er mir dann in echt nicht. Dann kam der Funktionsfleece bei den Selbermachern rein, und zack! hatte ich zumindest schon mal den Stoff, aber immer noch keinen blassen Dunst, wie ich den Schnitt an mich anpassen sollte.
(Ich habe natürlich erst versucht, den Körper an den Schnitt anzupassen. Aber nach einer halben Stunde hatte ich wieder Hunger.)
Rettung nahte in Form eines geschonken gekrochenen privatpersönlichen Jackennähworkshops. Eine richtig echte Schneidermeisterin kam zu mir nachhause und half mir bei der Schnittanpassung undsoweiter. Sie war ein bißchen erstaunt, was es heutzutage alles so gibt als sie das Ebook sah, aber fand den Schnitt auch ganz gut, glaube ich.
Jedenfalls hatte ich die Jacke nach zwei Tagen fertig. Natürlich in der einfachsten Variante. Offene Nähte, unten (noch) nicht gesäumt, Reißverschluß einfach hintergenäht, aber hey. Eine Jacke! Mit Kapuze!! Immerhin.
(Und natürlich musste es direkt nach Fertigstellung der Jacke so arschkalt werden, dass ich sie kaum anziehen kann. Is klar.)
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Egal. Ich lass das jetzt so.
(Und aus dem falschrichtigen Softshell wird jetzt eine Jacke für Sohnemann. Soll werden. Man darf gespannt sein…)

#bloggerfuerfluechtlinge

Eigentlich ist das ja ein Zeichen, wenn man wochenlang was zu einem bestimmten Thema schreiben will und die Worte nicht zusammenkriegt. Am besten läßt man es dann ganz bleiben. Will ich aber auch irgendwie nicht. Alsdann.

Unter Fremden fühle ich mich sau-unwohl und zwar gleichgültig, ob sie aus dem Nachbarkaff, Frankreich, Syrien oder sonstwoher kommen.
Mir haben schon als Kind alle Menschen, die komische Sachen aßen, bei denen es fremdartig roch und die auch noch in fremden Zungen palaverten (Also auch die aus dem Nachbarkaff. Oder aus Soxn. *muuhahaha* Kleiner Scherz am Rande) Angst eingejagt, und zwar ganz ohne Rassisten in meinem Umfeld. Da hatte ich ganz alleine völlig unbegründeten Schiß vor- vermutlich hatte ich zuviel Phantasie, keine Ahnung.
(Dass meine italienische Freundin und die jugoslawischen Nachbarn und die Türken drei Straßen weiter auch „Ausländer“ waren, ist mir dabei nicht mal wirklich klargeworden. Die wohnten doch im gleichen Kaff wie ich, wie können die da Ausländer sein?)
Wer hier länger liest, weiß, dass ich auch heute noch nicht freiwillig Urlaub in fremden Ländern mache- es sei denn, ich gewinne die Tickets und besuche meine Freundin, dann darf es auch mal Singapur sein. Aber ich käme niemals auf die Idee, einfach so in ein fremdes Land zu fahren, um Land und am Ende auch noch Leute kennenzulernen. Waahhh! Egal ob Frankreich oder Indonesien. Alleine bei dem Gedanken daran krieg ich schon Schweißausbrüche. Fremde Kulturen? Ja bitte! Aber doch nur im Fernsehen!!
Um mich wohlzufühlen, brauche ich es bekannt und geordnet und alles Fremde bitte nur in kleinen Dosen. Sorry, isso. Kannste blöd finden, ändert aber nix.
(Wenn ich so nachdenke, bin ich vermutlich der fleischgewordene „Bauer, der nix frißt, was er net kennt“.)
Und obwohl ich nun schon seit Jahren auch beruflich sehr häufig mit Menschen aus den verschiedensten Herkunftsländern (die oft sehr wenig Deutsch können) zu tun habe, ist das Verständigen ohne ausreichende (manchmal sogar noch weniger) Sprachkenntnisse, der Umgang mit den fremden Gepflogenheiten, alleine schon das Essen von exotischen Gerichten nicht meine originäre soziale Kernkompetenz und bringt mich ziemlich ins Schwitzen. (Hat schon mal jemand einer pakistanischen Alleinerziehenden mit minimalen Deutschkenntnissen den ALG II Antrag erklärt? Eben.)
Trotzdem bin ich nicht so sehr besorgt wegen der Welle von Flüchtlingen, die da auf uns zurollt. Ja, natürlich ist das eine Herausforderung. Da sind auf jeden Fall einige Vollpfosten dabei- Arschlöcher gibt es überall. Aber auch die ganz normalen Menschen ohne Arschlochfaktor kommen mit ihrer jeweiligen Sozialisation und die unterscheidet sich ja teilweise wesentlich von unserer. Besonders die Menschen aus den sehr armen, bildungsfernen Ländern oder Krisengebieten werden Schwierigkeiten haben mit der Integration. (Ich glaube übrigens nicht, dass es per se „der Islam“ ist, der die Integration erschwert. Das ist völliger Blödsinn. Erst mit der Abwesenheit von Bildung wird aus jeder Religion ein Problem. Das ist beim Christentum nicht anders, siehe: Kreationismus. Oder, ganz aktuell und unfassbar: hier.)

Es wäre natürlich vollkommen naiv, so zu tun als würde das alles problemlos laufen können. Um den Problemen entgegenzuwirken die sich aus der gegensätzlichen Kultur, Sozialisation, nenneswieduwillst ergeben ist Aufklärung notwendig. Aufklärung, Bildung, Information. Für beide Seiten. Aber bitte sachlich, höflich und nicht herablassend.
Ich kann die Motive des Hardheimer Bürgermeister sehr gut nachvollziehen, der Benimmregeln für die im Ort untergebrachten Flüchtlinge verfasste, leider in einer ganz und gar nicht akzeptablen abwertenden Grundhaltung. Wer aber darüber nachdenkt, was 1000 Flüchtlinge bei 4600 Einwohnern ohne angemessene Infrastruktur (und ich meine: angemessen!) für die Einwohner (und die Flüchtlinge, aber das steht auf einem anderen Blatt) bedeuten können, hat vielleicht ein wenig Verständnis für die polemische Umsetzung. Hilfreicher wäre für die Menschen in Hardheim (und ganz Deutschland) aber vermutlich eher diese Informationsbroschüre: der Refugeeguide. Die wichtigsten Informationen darüber wie das Leben in Deutschland funktioniert, welche kulturellen Regeln und Codes im Zusammenleben gelten, eingeteilt in verschiedene Kapitel wie „Öffentliches Leben“, „Gleichberechtigung“, „Essen, Trinken und Rauchen“ usw. Und das alles in einer sachlichen, wertschätzenden Sprache abgefasst- fantastisch. Für meine Begriffe dürfte der Guide auch durchaus noch erweitert werden um so viele Themen, aber es ist schon mal ein sehr sehr guter Anfang. (Ich fand es sehr interessant, wie wir Deutschen eigentlich so sind. Manches war mir auch neu *hust*. Kann man diese Broschüren bitte auch bei der nächsten Pegidademo als Zwangslektüre verteilen? So ein paar Dinge könnte man den Vögeln da auch mal wieder in Erinnerung rufen…)
Überhaupt: die Wertschätzung ist meiner Meinung nach doch das Wichtigste. Das „die Flüchtlinge“ anders aussehen, anders sprechen, sich anders kleiden und/oder eine andere Religion haben als ich selbst, wertet sie doch nicht automatisch ab. Man muss doch jedem Menschen erstmal mit Höflichkeit und Respekt und einer positiven Grundeinstellung begegnen- bringen wir unsern Kindern schliesslich auch bei. Die meisten Deutschen tun das ja gerade auch. Respekt und Wertschätzung für andere Menschen zu zeigen, bedeutet doch nicht, dass man sich selber klein macht und abwertet. Und der ganz überwiegende Teil der Menschheit reagiert auf Respekt und Wertschätzung mit? Respekt und Wertschätzung. Isso. (Pegida und IS ausgenommen, die gehören nicht zur Menschheit. Nicht zu meiner jedenfalls. )
Und by the way: das ist kein pädagogisches Multikultigesabbel. Ich kann einem Menschen durchaus mit Respekt und Wertschätzung begegnen und trotzdem unsere Regeln und Gesetze benennen und zwar völlig unabhängig von der Hautfarbe oder der Herkunft. Wieso denn auch nicht? Das Leben ist kein Ponyhof und man kann doch klar und offen sagen, das dieses oder jenes nicht erwünscht oder nicht erlaubt ist. Das gibt doch auch Sicherheit. Deswegen muss ich das doch um Himmelswillen nicht so formulieren als hielte ich alle Flüchtlinge von vorneherein für Verbrecher.
Das es ausgerechnet unsere Politiker, allen voran Herr Seehofer und Herr de Maiziere nicht schaffen, in dieser Frage ein Vorbild zu sein, finde ich einfach nur: PFUI!
Die obersten Krisenmanager versagen in dieser Situation für meine Begriffe vollkommen und machen sie so erst zu einer Gefahr für mein Deutschland, weil sie die ganzen Dummbrote vom rechten Rand geradezu ermuntern mit ihren Polemisierungen. In einem sehr guten Artikel (ich weiß leider ums Verplatzen nicht mehr, von wem) habe ich vor einiger Zeit gelesen: wenn sogar die Politik offen einen Schritt nach rechts macht, macht ein großer Teil der Gesellschaft auch den Schritt mit, weil: „man wird ja noch sagen dürfen, sagen die da oben ja auch“. Ein Ergebnis sind zum Beispiel die Pegida-Demonstrationen, wo Leute ganz ungeniert und ungestraft ihren antidemokratischen Dreck verbreiten. Und diejenigen, die sowieso schon ganz am rechten Rand stehen, gehen den einen Schritt halt auch mit: von der undemokratischen, populistischen Hetze und Stimmungsmache hin zur gewalttätigen „Gegenwehr“, weil: die da oben haben ja schliesslich auch gesagt, dass das nicht in Ordnung ist, also fühlen sie sich legitimisiert und geradezu beauftragt zu Angriffen auf Flüchtlinge und Flüchtlingsheime.
DAS macht mir Angst. Das von „da oben“ kein eindeutiges, klares Signal kommt, nur Herumgeeiere und Geschwafel.
Statt mal dafür zu sorgen, dass es für alle Flüchtlinge Informationsbroschüren gibt wie den oben erwähnten Refugeeguide. (Erweitert bitte um eine muttersprachliche Anleitung zum Ausfüllen der diversen Anträge, dann muss ich das nicht immer machen. Ich hasse Anträge ausfüllen!) Wofür haben wir denn ein Bundesamt für Migration? Das ist Arbeit, die hätte längst erledigt sein müssen!
Genügend Helfer und Personal für Sprach- und Integrationskurse einstellen, Unterkünfte ausbauen, Wohnungen anmieten undsoweiter. Die notwendigen Gesetze ändern, damit die Leute schnellstens in Lohn und Brot kommen und nicht in den Unterkünften abhängen müssen- Das ist doch alles nicht unmöglich.
Und erzähl mir keiner, das wäre nicht finanzierbar. In die Hölle kommt ihr für eure Lügen! Arme, notleidende Banken retten geht. Abstürzende Drohnen, heißlaufende Gewehre, Flughafenruinen, Bahnhofskatastrophen finanzieren geht auch locker aus der Hüfte. Abermillionen raushauen für die „Sicherheit“ von ein paar Hanseln beim G7, 8 oder sonstwieviel Treffen, die ruhig einfach auch mal eine verdammte Telefonkonferenz für einen Bruchteil des Geldes hätten machen können, das geht natürlich auch.
Aber Menschen anständig unterbringen geht nicht?
Was für eine Schande.

Wer etwas spenden möchte, ist hier bei Blogger für Flüchtlinge bestens aufgehoben. Hier werden auch verschiedene Projekte vorgestellt, zu denen man beitragen kann. (Die nächste freie Stunde Zeit werde ich zum Beispiel mal nutzen um mir den Blog „DaF für Flüchtlinge“ anzuschauen. Klingt interessant.)
Es gibt so viele tolle Ideen und Projekte, zu denen man was beisteuern kann, egal wohin man schaut. Am besten in die Lokalzeitung, da gibt es sicher was in der Umgebung.

„Können wir das schaffen? Yo, wir schaffen das!“
Bob der Baumeister.
(In jedem von uns sollte ein bißchen mehr Bob stecken.)